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Übergang vom Schauspiel zum dauernden Gemälde bedeutsam, sowurde die ausserordentliche Volkstümlichkeit des Totentanzes docherst dadurch erreicht, dass die Gemälde und ihre Texte reproduziertund in zahlreichen Drucken verbreitet wurden. Diese neue Er-scheinungsform des Totentanzes begann in der ersten Hälfte des15. Jahrhunderts in Deutschland, dem Frankreich zu Ende desselbenJahrhunderts folgte; selbst Italien lieferte xylographische Flugblätterdes Totentanzes. Die bekannt gewordenen Handschriften ohneIllustrationen konnten, von so grossem Wert für die historischeForschung sie auch sind, in der Entwickelung des Totentanzes keinewesentliche Rolle spielen; denn der eigentliche Träger dieser Ent-wickelung blieb die bildliche Darstellung jeder Art (Schauspiel, Ge-mälde, Skulptur, Bilderdruck), der Text nur eine Erläuterung dazu,die nicht selten fortblieb und einer eigentlichen Entwickelung garnicht fähig war.
Der Schauspieltext des Totentanzes enthält kaum mehr als dielehrhaften Wechselreden des Todes und der Lebenden, so dass seindramatischer Charakter sogar verkannt werden konnte und z. B.ernstlich diskutiert wurde, ob der spanische Text ein blosses Lehr-gedicht sei oder zu einem Schauspiel gehöre. Die für jene Zeitgewiss nicht geringe dramatische Wirkung beruhte also ausschliesslichin der Schaustellung. Und als der Übergang zum Gemälde ganzmerkliche Abänderungen der alten Anordnung nötig machte, bliebgelegentlich, in Lübeck, Reval und zum Teil in Paris, der alte Textnoch unverändert; die Bereicherungen endlich, die das Gemäldedurch ganz neue Scenen erfuhr (Beinhaus, biblische Bilder u. s. w.),wurden im Text häufig gar nicht berücksichtigt, auch wenn sie, wiesich zeigen wird, eine neue Auffassung des Ganzen begründeten.Noch mehr gilt dies für die Ausbildung der einzelnen Scenen, indenen sich nunmehr das dramatische Leben des Bildes konzentrierte.Je mehr dieses plastisch herausgearbeitet wurde, desto mehr mussteder lehrhafte Text belanglos werden, bis endlich das Bild sich vonihm völlig loslöste und zum selbständigen Kunstwerk wurde, das denalten didaktischen Zweck durch einen rein ästhetischen ersetzte.
Dieses durch Holbein erreichte Ziel ist der Höhepunkt undeigentliche Abschluss in der Entwickelung des Totentanzes; es folgtennur noch Nachahmungen mit sich stetig abschwächendem Erfolg,und wenn unser Jahrhundert mit neuem Interesse diesen Gegenstand