Man hört und liest es als einen allgemein gültigen, niemalsangefochtenen Satz, dass die Römer nach Besitzergreifung einesfremden Gebietes das oecupirte Land nach allen Richtungen miteiner grossen Zahl wohlgebauter Strassen durchzogen, deren Dauer-haftigkeit langen Zeiträumen zu widei'stehen vermocht hat; wennaber Jemand es unternimmt, die Ueberreste dieser Strassen auf-zusuchen und in ihrem Zusammenhange in die Karten einzu-tragen, so wundert man sich über die grosse Zahl rother Striche,welche solche Karten aufzuweisen pflegen, und die mit grossenAnstrengungen und Kosten ausgeführten Arbeiten geniessen nichtdas zu ihrer wissenschaftlichen Verwendung erforderliche Ver-trauen , so dass die mühsam errungenen Resultate für die Wissen-schaft nicht selten ganz verloren gehen. Der Grund dieser unlieb-samen Erscheinung wird in dem Umstände zu suchen sein, dassdie Verfasser es öfters unterlassen haben, die Grundsätze darzu-legen , durch welche sie in der Beurtheilung des römischen Ur-sprungs einer alten Strasse geleitet wurden, und namentlich dieKennzeichen zu erörtern, welche auch Andere in den Stand setzen,solche Strassen in Bezug auf ihren Ursprung zu prüfen. Wennich nun auf der rechten Rheinseite der Provinz eine sehr grosseZahl von Strassen als römische bezeichnet und in die Karteneingetragen, so tritt für mich die Nothwendigkeit, den römischenUrsprung dieser Strassen zu begründen, um so entschiedener her-vor, als dieselben in der Regel kein Stcinmatcrial besitzen, und da-durch eines Merkmals entbehren , welches auf der Jinken Rhein-seite als leitendes Mittel bei Erforschung römischer Heerstrassenzu dienen pflegt. Die nachfolgenden Darlegungen sollon dieseBegründung, soweit es die bis jetzt aus den Local-Untersuchungenhervorgegangenen thatsächlichen Ergebnisse gestatten, nach dreierleiRücksicht geben, und zwar 1) in Bezug auf den Lauf, 2) dieLage, und 3) die Construction dieser Anlagen.
Was zunächst den Lauf der alten Strassen betrifft, soersieht man aus den Karten, dass bei Weitem die meisten amRheinufer ihren Anfang nehmen, und von da nach dem Innernvon Deutschland ziehen. Unter den bis jetzt ganz oder theil-weise untersuchten Strassen gehen 44 vom Rheine aus, und daan den Ausgangspuncten derselben durchaus keine römischenOrtschaften bestanden haben, so fragt es sich, ob jene Strassenetwa von den auf dem linken Rheinufer gelegenen römischen