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Die Kapelle 'Klein-Jerusalem' bei Neersen
Entstehung
Seite
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71nDie schweren Geißelhiebe, die düstere Bußkleidung,die wunderbar ernsten Gesänge dieser Wallfahrer hat-ten alle Herzen zu frommer Rührung gestimmt. Mansah unter ihnen sogar Adeliche. Viele schlossen sichdem Zuge an, und die, welche vom Meister geprüftund für tauglich befunden waren, zogen mit denRhein hinauf bis Straßburg. Auf viele Sündermachte diese Erscheinung einen erschütternden Eindruck,der sie zur Bekehrung führte; ungerechtes Gut wardzurückerstattet und Feindschaften ausgesöhnt.Da sich mit diesem Umherziehen und der anfangssehr gut gemeinten Sache später viele Mißbräuchemancher Art verbanden, sogar Irrglauben und Sek-tenwesen, so wurden diese Flagellanten=Züge vongeistlicher und weltlicher Obrigkeit strenge verboten.Damit sollte selbstverständlich das Geißeln überhauptals Bußübung nicht verboten sein, welches vielmehrheilsam sein könne, was auch Papst Clemens VI. aus-drücklich bei ſeinem Verbote gegen die Flagellanten-Züge bemerkt, sondern nur die öffentlichen Aufzügeder Art und die Mißbräuche dabei sollten verhindertwerden. Von da an hörten diese Umzüge auch fastganz auf, nur hier und da kamen sie noch vor; sobesonders im 15. Jahrhunderte in Thüringen undNiedersachsen, die aber sogar entschieden in Irrglau-ben verfielen. In kleineren Zügen zeigten sich Fla-gellanten auch im 16. und in späteren Jahrhundertenohne solche Mißbräuche und Irrlehren.Ziemlich unſchuldiger Art und ohne jene großeBedeutung waren nun auch die Flagellanten an un-Ihr Erscheinen mag viel Aufsehenserer Kapelle.und ihr Benehmen und das öffentliche Geißeln bei'mUmzug des Abends um die Kapelle Anstoß erregthaben; man hätte es ihnen einfach verbieten sollen,die Kapelle aber hätte man darum nicht zu schließenbrauchen, weil dadurch auch der ruhige und andächtigeBesuch der Kapelle unmöglich gemacht wurde.