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Über den Luftwechsel in Wohngebäuden
Entstehung
Seite
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von Dr. Max Pettenkofer. U9

höher steht, als das obere Ende der mit Oel gefülltenGlasröhre. Zieht man nun die Pfropfen, zuerst den unteren,dann den oberen aus und lässt den Druck des Wassers aufdie Oelsäule wirken, so wird das Oel in dem Rohre emporund herausgedrückt werden, das Rohr (der Kamin) wirdsich mit Wasser füllen. Denke man sich nun, dass das Rohrdie wunderbare Eigenschaft besässe, das Wasser, welcheseingedrungen, wieder in Oel zu verwandeln, ebenso wie diekalte Luft, welche in den Kamin d.ingt, wärmer und leich-ter wird, so wird die oben vor sich gegangene Bewegungso lange fortdauern, bis alles Wasser in Oel verwandelt ist,ebenso, wie der Zug der Kamine fortdauert, so lange dieäussere Luft kälter, als die Luft im Kamine ist. Um einevollständige Analogie zu erzielen, kann man sich vorstellen,dass das Oel, nachdem es die Röhre verlassen hat, wiederzu Wasser wird, wonach die Bewegung so lange fortdauernwürde, als die Röhre ihre wunderbare Eigenschaft behielte,eine schwerere Flüssigkeit in eine leichtere zu verwandeln.

Der Druck der Atmosphäre ist allseitig. Wenn' also dasGleichgewicht durch die Gegenwart kälterer und wärmerer,oder schwerer und leichterer Luftsäulen zerstört ist, so wirdder Ueberdruck der ersteren auf die letzteren an allen Punk-ten wirksam seyn, wo sich dieselben berühren. Ein poröserKamin wird desshalb an seiner Basis einen schwächerenLuftstrom zeigen, als ein luftdichter, weil ein Theil der Aus-gleichung zwischen dem Druckvermögen der kälteren undwärmeren Luftsäule auf seiner ganzen Länge und nicht ledig-lich durch den Rost oder Feuerraum vor sich geht.

Wie sehr man dazu berechtigt ist, auf eine klarere Ge-staltung der Vorstellungen über den Zug der Kamine undüberhaupt über die Bewegung der Luft in Gebäuden zu drin-gen, geht deutlich daraus hervor, mit welchen Gründen diePraktiker gewöhnlich die Erscheinung zu erklären suchen,wesshalb manche Kamine nicht mehr ziehen, wenn von oben