Druckschrift 
Über den Luftwechsel in Wohngebäuden
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen
 

von Dr. Max Pettenkofer. J15

Vor Allem muss man den Gedanken fest halten, dass dieBewegung der Luft in bewohnten Räumen so rasch und all-seitig vor sich geht, dass die Mischung ein paar Fuss vonder Decke und dem Fussboden stets nahezu gleich seyn wird,wie es auch die im Berichte über die Ventilation des neuenGebärhauses in München ausgeführten Bestimmungen direktbeweisen. Es wird somit die Luft im ganzen Saale entwedergut oder nicht gut seyn. Sodann muss die Zufuhr frischerLuft so bedeutend seyn, dass zu keiner Zeit und an keinerStelle die Luft schlecht werden kann. Die Verunreinigungder Luft eines Wohnraumes durch Respiration und Perspira-tion ist unvermeidlich, denn wir können die gasförmigenAusscheidungen von Haut und Lungen nicht durch die Lufteines Zimmers wegführen, ohne sie mit derselben zu ver-mischen. Es bleibt uns somit nichts übrig, als beständigso viel frische Luft zuzuführen, dass die beständige Verun-reinigung derselben durch Haut und Lungen einen bestimm-ten Grad nicht überschreite. Das ist der grosse Unterschiedzwischen dem Athmen im Freien und im Zimmer, dass imersteren Falle die ausgeathmete Luft in jedem Augenblicke durchdie allgemeine Luftströmung aus dem Bereich unsere Körpersgeführt wird, ohne je wieder, selbst in der grössten Verdün-nung, in dasselbe zurückzukommen, während in jedem Zim-mer die ausgeathmete Luft theilweise wieder eingeathmetwerden muss, wenn auch in beträchtlicher Verdünnung.Wenn wir: desshalb Luft aus einem hinlänglich ventilirtenSaale abführen, so wird das immer die gute Luft des Saalesseyn, sie kann und darf nicht schlechter seyn, als die Luftim Saale überhaupt. Bei guter Luft wird es endlich sehrgleichgiltig seyn, auf welchen Wegen wir sie ins Freie füh-ren, ob durch Fensterritzen, Thürspalten und Poren derWände, oder durch ein Labyrinth eigens dazu bestimmterKanäle, welche im besten Falle doch nur den geringernTheil der in den Sälen wechselnden Luft aufnehmen. Ja ich