von Dr. Max Pettenkofer. 107
hause zu Bruchsal in Baden von 100 Gefangenen im erstenJahre der Haft 4,25 Procent, während von 100 Gefangenenim zweiten Jahre nur mehr 1,65, vom zweiten bis fünftenJahre nur mehr 1,64 und vom fünften bis achten Jahre gar nurmehr 0,62 Procent sterben. (Füesslin, die Einzelhaft, Heidelbergbei Mohr. 1855. S. 249.) Genauere Untersuchungen, derenDurchführung mir vielleicht mit Hilfe unserer einsichtsvollenBehörden gelingt, werden ohne Zweifel die Wahrheit meinerAnnahme auch im Einzelnen darthun und bekräftigen.
Mit bestimmterenForderungen wird man auftreten müssen,wenn es sich um die Luftbeschaffenheit in Räumen' handelt,die zu einem längeren Aufenthalte, zum Wohnen und Schlafenfür Menschen bestimmt sind. Es kommt hier die Ventilationaller Wohn- und Schlafzimmer, der Arbeitszimmer, Kranken-häuser, Kasernen, Gefängnisse u. s. w. in Betracht. Wieschädlich für einen längeren Aufenthalt die schlechte Lufteines Raumes wirkt, das lehrt uns auf das Deutlichste dieVerschiedenheit des Gesundheitszustandes in Wohnungen,Krankenhäusern, Kasernen und Gefängnissen, je nachdemdieselben übervölkert sind oder nicht.' Die nämliche Woh-nung, in welcher 10 Menschen sehr gesund wohnen, kannzum Krankheitsheerde werden, wenn in den nämlichen Räu-men 20 und 30 leben müssen.« Es geht bereits als Ueber-zeugung durch die Welt, dass Verminderung der Anzahl derEinwohner eines Hauses oder einer Anstalt äquivalent einerRaumvermehrung oder einer Lüftung ist. Kasernen undGefängnisse liefern die sprechendsten Beweise, wie gefähr-lich es ist, gewisse Grade der Luftverderbniss zu über-schreiten. Man weiss, dass eine und dieselbe Kaserne füreine geringe Anzahl von Soldaten ein gesunder Aufenthalts-ort ist, während bei anhaltender Ueberfüllung ein Heer vonKrankheiten droht. Das Nämliche weiss man von Kranken-häusern, Spitälern und Gefängnissen. — In Bruchsal sindzwei Gefängnisse, das eine für leichtere Verbrecher mit