von Dr. Max Pettenkofo.r. 99
nun verschiedene Beobachtungen ausführen. Verbindet manmit dem Rohre der einen Seite ein Kautschuk- oder Glas-rohr, dessen Ende man einige Linien tief unter Wasser bringt,und bläst mit einem Blasbalg, einem Gasometer oder ameinfachsten mit dem Munde Luft auf die Wandfläche,- sogeht so viel durch die Ziegelsteine und die Mörtelfugen hin-durch nach der andern Seite, dass sie in. dem gegenüberliegenden, im Verhältniss zur Wandfläche engen Rohre alslebhafter Strom erscheint, der mit lebhaftem Geräusch durchdas Wasser braust. So überraschend dieser Versuch ist,und so bedeutend die Permeabilität der Backsteinwände fürdie Luft dadurch erscheint, so darf man sich von der Ge-schwindigkeit des Durchgangs der Luft durch Steine undMörtel doch keine zu grosse Vorstellung machen. Der leb-hafte Ström, den wir durch ein Rohr von etwa 12,5 Quadrat-Urnen Queerschnitt austreten sehen, geht durch eine Wand-fläche, welche 3,5 Quadratfuss Querschnitt hat. Dieser über-trifft den Queerschnitt des Rohres um das 2860fache. Dasich die Geschwindigkeit der Bewegung gleicher Luftmassenbinnen gleicher Zeiten umgekehrt wie der Querschnitt derLeitungen verhält, so ist klar, dass die Geschwindigkeit derLuft im Rohre auf die ganze Wandfläche vertheilt, eine sehrgeringe, für unsere Sinne nicht mehr wahrnehmbare seynmuss. Angenommen die Geschwindigkeit der Luft im Rohrevon 12,5 Quadratlinien Querschnitt sey 3 Meter (= 10'/ 4 Fussbayer.) in der Secunde, was bereits ein lebhafter Wind ist,der ein Kerzenlicht ausbläst, so ist die Geschwindigkeit aufder ganzen Wandfläche von 3,5 Quadratfuss doch nur einUnbedeutendes mehr als 1 Millimeter, oder nicht einmaleine halbe Linie in der Secunde. Da unsere Sinne aber fürgewöhnlich eine Luftbewegung selbst von mehr als 1 Fussin der Secunde, also eine um das 200fache raschere Be-wegung bereits nicht mehr wahrnehmen, so vermögen, wirnatürlich auch die beständig' durch die Wände fliessende Luft