Die Enthüllungsfeier. 49
gehalten. Mit dem mehr und mehr sich ausbildenden Trieb,selbständig zu gestalten, war für seine weitere Entwicklungbesonders der häufige Aufenthalt unter den Meisterwerkenunserer damaligen berühmten Gallerie von grösster Bedeutung.Im Jahre 1799 starb sein Vater und der nun 15jährigeJüngling sah sich dadurch in so beschränkte äussere Verhält-nisse versetzt, dass er zu seinem und der Seinigen Lebens-unterhalt auch die geringfügigsten Aufträge, wie Kalender-bildcr, Kirchenfahnen, Bildnisse und Anderes anzunehmengenöthigt war. Seine erste grössere Arbeit, welche er derBekanntschaft mit dem Domkapitular Walraff, dem einen derGründer des Cölner Stadtmuseums, verdankte, war die grauin graue Ausmalung der Sanct-Quirins-Kirche zu Neuss imJahre 1806. Leider sind diese seine Jugend-Arbeiten, andenen von Augenzeugen schon kühner Geist und edle Auf-fassung gerühmt wird, vom Zahn der Zeit vernichtet worden.
In. seinem 26. Jahre siedelte Cornelius nach Frankfurtüber, wo er die nächsten zwei Jahre verbrachte und dort inder Geburtsstadt Goethes, mit dem er später häufig in brief-lichen Verkehr trat, seine epochemachenden Faustbilder be-gann. Wir erinnern uns persönlich noch des gewaltigen Ein-druckes, den diese Umrisse bei ihrem Erscheinen auch hierhervorgerufen hatten, Avie unsre Landesbibliothek, auf der siezur Ansicht auflagen, alltäglich von Schauenslustigen besuchtwurde, welche diese Schöpfungen des jugendlichen Genius be-wundernd umstanden. Sah man darin doch wiedererstandnenDürergeist deutschen Mittelalters, der so zukunftverheissendfür die neuaufsteigende Aera unserer Kunst in die Erschei-nung trat.
Im Herbst 1811 ging Cornelius nach Born. Hier übteder Geist des Alterthums verbunden mit den Werken derrafaelischen Zeit seinen bestimmenden Einfluss auf seine künst-lerischen Ideale und legte den Grund zu der gewaltigen Kraftseines Styles, der ihn auf die grossartige monumentale Malereifür sein ganzes ferneres Schaffen wies. Aus dieser Periodestammen vor Allem seine Zeichnungen zum Nibelungenliede,durch welche seine grosse Compositionsfähigkeit zu immer all-gemeinerer Erkenntniss gelangte. Besonders legte das herrlicheTitelblatt, namentlich auch durch seine architektonische Gliede-rung, seinen Beruf für monumentale Auffassung in eminenterWeise dar. Durch seine Wandbilder aus der Geschichte Josephsin der dortigen Casa Bartholdy hatte er sich damals auch als
4