69.zigkeit und Wahrheit sind. „Bekehrt euch zu mir von ganzemHerzen“ (Joël 2), hat der Mund des Herrn gesprochen. Warumist dieser Weg nur Barmherzigkeit und Wahrheit? Woraus er-kennt man es? Daraus, daß der liebe Gott, da er den Men-schen nach seinem Ebenbilde schuf, ihm einen freien Willen gab,mit welchem er das Gute oder Böse wählen konnte, um nach seinerWillkür das eine oder das andere thun zu können; daß fernerdieser freie Wille, den der Mensch in seiner Schöpfung empfangenwiewohl er einen heftigen, sehr schweren Schlag erhielt, da erdurch die Sünde des Ungehorsams aus der vorigen übernatür-lichen Gnade, der Unschuld, Heiligkeit und Gerechtigkeit gefallenund durch seinen eigenen freien Willen sich derselben verlustig ge-macht hatte: ihm dennoch dieser freie Wille nicht genommen wor-den, wenn er gleichwohl einer großen Zerrüttung und Schwäche an-heimfiel. Denn, wäre es anders, hätte dann Gott der Herr nichtvergebens zu den Gottlosen gesagt: „Bekehret euch zu mir!“ Ja,wäre dieses Wort nicht eine Verspottung des Sünders, was ohneGräuel weder gedacht, noch weniger behauptet werden könnte, weildieser Weg dann nicht die Gerechtigkeit und Wahrheit wäre?Darum sagt der heil. Bernhard sehr richtig: „Nimm den Menschen den freien Willen, so ist nichts da, was selig werden kannnimm die Gnade weg, so ist nichts vorhanden, wodurch man seligwerden kann.“ Auch sägt der heil. Ignatius, Schüler des heil.Johannes: „Wenn Jemand sich der Gottseligkeit befleißt, und da-zu sein Bestes thut, der gehört Gott an; handelt und lebt ergottlos, so gehört er dem Teufel; das geschieht aber nicht vonNatur, sondern durch den freien Willen seines Herzens.“Daß dieses die Wahrheit ist, erklärt Gott selbst dem blut-durstigen Kain, der seinen eigenen Bruder erschlug, mit den Wor-ten: „Warum ergrimmst du dich, und ist dein Angesicht einge-fallen? Wenn du Gutes thust, erhältst du Lohn; wenn aberBöses, wird sogleich die Sünde vor der Thüre sein! Aber ihreLust soll unter dir sein, und du sollst sie beherrschen.“ Gen. 4, 7.Ist euch das noch nicht genug, so möge der kräftige Donnerschla-von der höchsten Majestät in eure Ohren schallen aus dem Himmeldurch den Mund des Propheten Moyses: „Zum Zeugen rufe ichheute Himmel und Erde, daß ich euch vorgestellt Leben und TodSegen und Fluch. So wählet denn das Leben, auf daß du lebest,du und dein Same.“ Deut. 30, 19.Zum Ueberfluß erinnere ich noch an das Wort des getreuenDieners Gottes Josue, des Leitmannes und Hirten Seines Vol-kes: „Das spricht der Herr, der Gott Israels; Ich habe euch einLand gegeben, worin ihr nicht gearbeitet, und Städte, die ihr1 Tolle liberum arbitrium; et non est, quod salvetur; tolle gratiamet non est, unde salvetur. — 2 Si quis pietati studet, Dei homo est, si impieagit, diaboli est, non id factum per naturam, sed per animi arbitrium. Epist.ad Magnesianos.
Druckschrift
Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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69
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