151von sich gibt, dabei schrecklich wüthet und raset, aber Niemandenschaden kann, wer ihm nicht nahet, und sich vor ihm hütet. Im-gleichen steht's auch mit euch; je ferner von euch, desto wenigerGefahr!Doch eins finde ich in diesem Briefe, was mich etwas nach-denken macht und mich zugleich einigermaßen wundert, nämlichdaß ich darin also lese: „Zu welchem Ende die Inspectores unddie Ehrw. Classis selbst so viele Mühe angewendet, auch auf ihrenBefehl mehrere Schreiben euch zugeschickt sind, und ihr auch seidabgemahnt worden, in der Hoffnung, daß ihr euren schrecklichenFall erkennend, eiligst wünschen möchtet, daß man euch aufhelfe.Doch war bis jetzt Alles vergebens — also daß ihr uns auchnicht einmal eines Wortes zur Antwort gewürdigt habet.“Ich bin über diese Worte und Klagen höchst erstaunt, wennich bedenke, was dann eure Mühe und euer vieles Schreiben be-deuten soll, womit ihr mich abmahnet von dem schrecklichen Fall(wie ihr träumt), welcher Fall hingegen für uns eine glücklicheund gewünschte Auferstehung ist. Denn all euer Thun und Schreibengeschieht nur zu einem und demselben Zweck; ich möchte demnachgern wissen, worin denn diese eure Bemühung und das vielfältigeSchreiben besteht, worüber ihr so sehr klaget, daß Alles bis jetztohne Erfolg geblieben. Wenn ich hierüber nachdenke und meinerBlick auf dieses euer Treiben richte, so finde ich große Ursachemich zu betrüben und großes Mitleiden mit euch zu tragen, wegendieser eurer Mühe und vielfältigen Schreibens. Der Grund ist,weil ihr aus Unwissenheit (wenn nicht aus muthwilliger Bosheitmit all eurem Bemühen weniger als nichts thuet, und weil ihreuer vieles Schreiben in einer nächstfolgenden Zuschrift seriöseBriefe nennt, die doch nichts anders, als furiose sind, welche dieFurien der höllischen Göttinnen erfunden und dictirt haben. Daßeure Bemühung weniger als nichts zu bedeuten hat, das sagteuch eure eigene Religion. Denn diese lehrt euch und versicherteuch innerlich, daß ich von Ewigkeit unabwendbar zum ewigenLeben prädestinirt und von Gott geschaffen bin (was ich hoffen,aber nicht wissen kann), daß ich also deshalb nothwendig glaubenund selig werden muß: oder, daß mich Gott von Ewigkeit ver-worfen und verstoßen hat, und zu dem Zwecke erschaffen, daß ichin Ewigkeit mit ihm im Himmel keinen Theil haben, sondern meinLoos im Abgrund der Hölle finden soll (was ich keineswegsglauben kann). Bin ich nun auf calvinistische Manier zur ewigenSeligkeit bestimmt, so daß mir diese nicht entgehen kann, ich alsojedenfalls calvinistisch glauben muß, und von diesem Glaubennicht abweichen kann: wozu dann eure Bemühung, euer vielesSchreiben, eure seriösen Briefe? Denn ich bleibe, was den Glaubenbetrifft, bei euch, und kann auch in der Ewigkeit eure Gemein-schaft nicht verlassen. Daß ich jetzt von euch mich geschieden habe,das ist dann nur wegen Luftveränderung, zur recreativen Erho-
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Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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151
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