133Achtundzwanzigstes Kapitel.Der Verfasser unterweiset in demselben die einfältigen und unschuldigen Herzen, aufwelche Weise und zu welcher Zeit sie diesen Heiltrauk des heil. Augustin nehmensollen.Seht, welche große Schaar und Menge Volkes steht dortverwundert und spricht: „Woher kommt doch dieser Mann, dervon solchen Dingen redet, und uns einen solchen Rath gibtIst das der katholisch=reformirte Prediger, von dem man in ganzNiederland spricht? Fürwahr, wir sind ganz erstaunt und be-schämt, wenn wir ihn hören und auf seine Worte achten wollen!Denn wir sehen, daß wir betrogen sind, und daß unserePrädicanten uns ganz irre geleitet und verführt haben.Ist das nicht so? Ja, ist das nicht die Wahrheit, wenn wirnur unsern natürlichen Verstand gebrauchen wollen!Sie sagen uns: Haltet Euch an die Schrift, und schwätzenuns fälschlich vor, daß wir darin Alles lesen und finden, sowieauch verstehen könnten, was uns zur Seligkeit nothwendig ist.Ist das wahr? Was sagen wir, wahr! Sind wir nicht sinnlosund des Verstandes ledig, daß wir dieses geglaubt haben? Dennwas haben sie anders gehan als uns zu Richtern über ihrenGlauben gestellt, ja auch sogar über alle verschiedenen Glaubens-parteien. Wir sollen also urtheilen, und zwar aus der Schriftwelcher der beste Glaube ist von allen. Wir sollen untersuchen, obLuther besser gelehrt hat als Calvin; ob Arminius die Sachebesser getroffen hat, als Gommarius, und so fort. Das heißtDer Schüler muß den Lehrer über seine Lehre richten, das Schafden Hirten und die Weide, der Idiot soll den Bischof richten undurtheilen über seine Regierung.Sind das nicht so grobe Lügen, daß man sie tasten undgreifen kann? Ist das nicht eine muthwillige Raserei?Der heil. Gregor der Große sagt: „Daß die Tiefe undErhabenheit der heil. Schrift so weit gehe, daß nicht allein dieWorte, welche die Heiligen und Gott selbst gesprochen, sondernauch diejenigen Umstände der Dinge, die ganz einfältig und nurschlecht und recht gesagt zu sein scheinen, voll seien von göttlichenGeheimnissen. Homil. 5 in Ezech. Und wir unwissende Men-schen, die wir kaum lesen können, sollen darüber urtheilen?Sankt Augustin sagt: „Die Tiefe der Schrift der Christenist so groß, daß, wenn ich von meinen Jugendjahren an bis zumhöchsten Alter, in aller Ruhe, mit dem größten Eifer und hellemVerstande, nach allen Kräften sie allein zum Gegenstande meinesStudiums machte, ich noch stets in derselben lernen und ausihrer Weisheit schöpfen könnte, da in derselben alle Tiefe dergöttlichen Wissenschaft verborgen liegt. Ja, ich müßte auch vonmir bekennen, was dem allerältesten, dem allergelehrtesten undscharfsinnigsten nach den Worten der heil. Schrift selbst wider-
Druckschrift
Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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133
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