124.man im Evangelium. Wo aber liest man, daß Christus seinenJüngern befohlen habe, daß sie das Evangelium erst schreiben undEs ist somit gan.dann aus diesem das Volk lehren sollten?gewiß, daß die Apostel schon mehrere Jahre gepredigt, und dieKirche Christi weit und breit durch die ganze Welt verbreitet undgestiftet haben, ohne ein Wort aufzuschreiben. — Und wenn nochalle geschrieben hätten, und zwar für die ganze Christenheit, undzur Begründung der evangelischen Wahrheit! Aber welche sindes? Matthäus, Johannes, Petrus, Jacobus und Judas, derBruder des Jacobus, nebst Marcus und Lucas, die nicht unterdie zwölf Apostel gehören. Aber von Schriften des AndreasPhilippus, Bartholomäus 2c. weiß man nichts. So hat also dergrößte Theil der Apostel nicht geschrieben, welche dennoch Tausendevon Menschen zum christlichen Glauben bekehrt haben, die alsgute Christen gestorben sind, ohne jemals von der heil. Schriftetwas gehört zu haben.Hierauf wendet der heil. Märtyrer und Lehrer Irenäus sei-nen Blick und sagt: „Was aber, wenn uns die Apostel die Schrif-ten nicht hinterlassen hätten; müßte man dann nicht sich an dieTradition halten, die sie denjenigen überlieferten, denen sie die1 Ferner: „Welcher Tradition viele fremKirchen anvertrauten?den Völker beistimmen, die in Christum glauben und in ihrenHerzen das Heil geschrieben haben durch den heil. Geist, und die# 2alten Traditionen eifrigst bewahren.Und was noch mehr ist: Obwohl Augustinus wohl wußte,und nicht zweifelte, daß die Schriften des Neuen Testamentes vonden Aposteln und Evangelisten aus Eingebung des heil. Geistesgeschrieben seien, und zwar an verschiedenen Orten und zu ver-schiedenen Zeiten: war er damit zufrieden? Keinesweges. Erwollte auch wissen, wem dieser kostbare Schatz, dieses unschätzbarePfand übergeben und anvertrauet sei, weil von solchen Fremd-lingen, denen es nicht anvertraut ist und die nicht in dasselbe ein-geweihet sind, ein unermeßlicher Betrug sowohl in der Ueberlie-ferung als in der Erklärung und Auslegung desselben geschehenkann. — Was thut er nun? Er liest die Schrift, er liest siewieder, und sieht, daß sie von vielen Dingen spricht, die mannothwendig wissen müsse, und dieselben doch gar nicht mittheilt.Denn der Evangelist Johannes sagt mit klaren Worten, Christus,der Herr, habe zu seinen Jüngern gesagt: „Ich habe euch nochVieles zu sagen, aber ihr könnet es jetzt noch nicht tragen.“ Joh.16. — Ebenso: „Der heil. Geist wird von mir zeugen; denn1 Quid autem, si neque Apostoli Scripturas reliquissent nobis, nonneoportebat ordinem sequi traditionis, quam tradiderunt iis, quibus committebant Ecclesias? — 2 Cui ordinationi assentiunt multae gentes Barbarorumeorum, qui in Christum credunt, sine charta et atramento scriptam haben-tes per spiritum in cordibus salutem, et veterem traditionem diligentercustodientes.
Druckschrift
Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
Entstehung
Seite
124
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten