118Ich werde das thun, ich gelobe Euch das fest und mit allerGewißheit, so Ihr nur thut was ich Euch gesagt habe, nämlichdaß Ihr eine Stelle aus der heil. Schrift, ja aus der ganzenBibel vorleget, welche sagt und klar beweiset, daß auch nur eineinziger Glaubensartikel sich finde, den die römisch=katholischeKirche für echt und heilig annimmt, welcher falsch, lügenhaft undgotteslästerlich ist und wider die Wahrheit des Wortes Gottesſtreitet.Ist das nicht genug gesagt? Heißt das nicht freimüthiggenug gesprochen und zwar mit Gründen, mit Discretion, ohneHartnäckigkeit und Verkehrtheit des Gemüthes?Könnet Ihr diesen Beweis führen, sage ich noch einmal,Ihr werdet dann bei mir kein steinernes, unbeugsames, sondernein Herz finden, welches sich leiten läßt, wie ein sanftmüthigesLammWährend Ihr nun, D. Crusius, hiermit an die Arbeit gehtund Eure Zeit darauf anwendet, will ich inzwischen den heil-samen Rath des heil. Vaters Augustin zum Gegenstande meinerBetrachtung machen, welcher schreibt: „Da wir also diese großeHülfe, diesen großen Fortschritt, diese herrliche, überflüssige Fruchtschauen, sollen wir da noch Bedenken tragen, uns in demSchooße jener Kirche zu verbergen und sicher zu stellen, welche:wie das ganze menschliche Geschlecht bekennen muß, vom apostoli-schen Stuhle durch die Reihenfolge der Bischöfe den höchstenGipfel des Ansehens erlangt hat, während die Ketzer rund umherwie Hunde bellen, die aber sowohl durch das Urtheil des Volkesselbst, als auch durch das Ansehen und die Unerschütterlichkeitder Concilien, so wie auch durch den majestätischen Glanz derWunder verdammt sind. Wenn man nun dieser Kirche nicht dieersten Früchte geben will“ (das heißt: Wenn man nicht bekennenwill, daß sie die Mutter aller Gläubigen ist, wodurch wir dasgeistige Leben empfangen haben), „so ist das entweder ein Zeichender größten Gottlosigkeit, oder einer Vermessenheit, die den Menschen in die fürchterlichste Tiefe hinabstürzDa wir nun beide uns also beschäftigen, so wünsche ich undbitte Gott den Herrn aus ganzem Herzen, daß er Euch, lieberCrusi, verleihen und aus Gnade schenken wolle den Geist derDiscretion, den Geist der Demuth und Sanftmuth und den Geist,den der Apostel Paulus allen Gläubigen der römisch=katholischenKirche wünscht mit den Worten: „Seid nicht weise bei euch selbstRöm. 12, wobei ihr dann dem Rathe des weisen Mannes, Sprüchw.1 Cum igitur tantum auxilium, tantum profectum fructumque videamus, dubitabimus nos ejus Ecclesiae condere gremio, quae usque ad con-fessionem generis humani, ab Apostolica Sede per successiones Episcoporum, frustra hæreticis circumlatrantibus, et partim plebis ipsius judiciopartim conciliorum gravitate, partim etiam miraculorum majestate damnatis, culmen autoritatis obtinuit? Cui nolle primitias dare, vel summaprofecto impietatis est, vel præcipitis arrogantiæ.
Druckschrift
Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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118
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