114Aber, lieber Bernardus, wenn Ihr nun an diesen Dingengar keinen Geschmack, sondern im Gegentheil einen Ekel undWiderwillen habet, was auch nicht anders sein kann, so langeEuch der Geist Calvins beherrscht, und Ihr Eurem eigenenKopfe folgen wollet, so ist es billig und recht, daß Ihr dannmir auch fürder nicht mehr lästig fallet, um in der Angelegenheitmeines ewigen Heiles mir hinderlich zu seinDenn es kommen mir hier zwei Punkte in Betracht, diemeine Hand zurückziehen und mich zwingen, Eurer reformirtenGemeinschaft zu entsagen und zu einer anderen überzutreten. Dererste Punkt ist, daß die Augen unseres Verstandes geöffnet sind,daß wir klar erkennen und überzeugt sind, was Euer Mundauch nicht läugnen kann, daß nämlich die Gnade Gottes inEurer Gemeinde nicht so kräftig ist noch sein kann, um dieMenschen zu unterwerfen, und zur wahren Gottesfurcht sie somächtig anzutreiben, daß sie alle gottlosen und irdischen Begier-den verachten, und Gott in Heiligkeit und Gerechtigkeit dienenzu welchem Ende nämlich Gott das Horn des Heils im Hauseseines Dieners David aufgerichtet hat. — Denn so sagt ja EuerCalvin: „Alle Werke, welche Adams Kinder thun“ (sie mögen nochso heilig und gerecht sein), „sind nichts Anderes als Unreinigkeitenund Fäulnisse, und die Gerechtigkeit, die man gewöhnlich dafürhält, ist bei Gott lauter Bosheit.Wo bleibt denn aber die Heiligkeit und Gerechtigkeit, ohnewelche Niemand Gott sehen wird? Wo der neue Mensch, dernach Gott geschaffen ist in Gerechtigkeit und Heiligkeit der Wahr-heit. Diese Gerechtigkeit, dieser neue Mensch also muß in derThat vorhanden sein. Da er aber nun bei Euch, wie Ihr selbstsagt, nicht ist, so folgt nothwendig daraus, daß keiner der refor-mirten Brüder selig werden und in den Himmel kommen kann.„Denn das Himmelreich leidet Gewalt, und die Gewaltbrauchen reißen es an sich.“ Matth. 11, 12. — Und wiederum„Willst Du zum Leben eingehen, so halte die Gebote.“ Matth.19, 17.Hätte ich auch nur muthmaßen können, oder mich zu über-zeugen oder mich zu täuschen die Möglichkeit gehabt: oder hättetIhr mich im Glauben und in der Wahrheit versichern könnendaß irgend einer der reformirten Brüder mit seiner reformirtenLehre und Religion, mit seinem reformirten Glauben in denHimmel gekommen ist, fürwahr, ich hätte an keine andere Lehreoder Religion oder Glauben gedacht, im Bewußtsein, daß ichdiesen Weg ebensogut einhalten könne, als ein Anderer.sis possunt, ac non in Domino Deo suo? Dominus Deus eorum me dediteis. Quid in te stas, et non stas? Projice te securus, excipiet et salvabitte. Lib. 8. conf. cap. 111 Omnia hominum opera nihil sunt, nisi inquinamenta et sordes etquae justitia vulgo habetur apud Deum mera est iniquitas. Lib. 5. Inst.cap. 12. § 4.
Druckschrift
Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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114
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