74darauf, daß der Glaube allein ohne die guten Werke und ohnedie Haltung der Gebote uns selig machen könne und müsse. Umdiese Einbildung festzuhalten, die Menschen davon zu überredenund sie ihnen tief in den Kopf zu legen, sagen und lehren siekein, selbst nicht das geringste Gebot göttlichen Gesetzes könneder Mensch erfüllen. — Das sind sehr große und grobe Lügen,womit man muthwillig dem ewigen Tode zurennt.Sankt Augustin sagt über den Glauben: „Es gibt keineReichthümer so groß, keine Schätze so kostbar, keine Ehre dieserWelt so hoch, kein irdisches Gut so überreich, daß diese Dinge zuvergleichen wären mit dem katholischen Glauben, der die sündigenMenschen selig macht;“ wodurch ihre Herzen bestrahlt und dieAugen ihres Verstandes erleuchtet werden, um Gott ihren Schöp-fer recht kennen zu lernen; der Mensch den besten Theil, nämlich dasewige Gut, den Schatz seiner Seele, Jesum Christum erwählt, aus derMacht des Satans befreit und in der Taufe durch sein kostbaresBlut von allen Sünden gereinigt wird. Wenn nun Gott derAllmächtige den Menschen mit den Augen seiner Barmherzigkeitanschaut, und die Seele mit dem köstlichen Kleinod und theurenSchatze des Glaubens schmückt, so ist indessen doch noch mehr zuthun, als allein an Jesum Christum zu glauben. Und was? DieWahrheit selbst sagt es; derjenige den Gott zum Richter derLebendigen und Todten geordnet hat, spricht: „Willst du zumLeben eingehen, so halte die Gebote.“ Matth. 19, 17. Demgemäß spricht der Liebesjünger des Herrn, der jene Worteaus dem göttlichen Munde selbst vernommen hatte, und erklärtsie uns 1. Joh. 2, 4: „Wer da sagt, er kenne Ihn“ (unsernHerrn Jesus Christus durch den Glauben, und meint dießgenüge) „und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner und dieWahrheit ist nicht in ihm.“ Und: „Daraus ersehen wir daß wirIhn kennen“ (zu unserer ewigen Seligkeit), „wenn wir SeineGebote haltenVon diesem Joch indessen wollen die reformirten Brüder nichtswissen; sie werfen es vom Halse und mögen nichts damit zu thunhaben. Sehen sie aber nicht, wo es mit ihnen zuletzt hinausgeht? Was sagt der Mann nach Gottes Herzen: „Verflucht, dievon Deinem Gesetze abweichen.“ — „Die Seligkeit ist weit vonden Sündern, denn sie haben Deine Gerechtigkeiten nicht gesucht.Ps. 118. Darum sagt der Ps. 31, 9 von ihnen: „Mit Zaumund Gebiß bezwing' die Backen derer, die Dir nicht nahen!Warum: „Denn Du, Herr, hast befohlen, Deine Gebote streng zuhalten.“ Ps. 118, 4. Von den Gerechten aber, die Gott dienennach seinen Geboten, singt er ein anderes Lied Ps. 117, 19:„Oeffnet mir die Pforten der Gerechtigkeit; ich will hineingehen1 Nullae sunt majores divitiae, nulli thesauri, nulli honores, nullamundi hujus major substantia, quam est fides Catholica, quae peccatoreshomines salvat. Serm I. de verb. Apostoli.
Druckschrift
Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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74
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