72Er verwundert sich selbst. Worüber? Daß alle heil. Väterund Kirchenlehrer sammt der ganzen Christenheit es sich einfallenlassen, als wäre diese Rede, die er aus der Brust des Teufelsgesogen hat, eine harte Rede. Was mehr? „Im Menschen istgar keine Macht, sich zum Guten zu bewegen, nicht mehr nämlichals in den Metallen und Steinen eine sich zur Vollkommenheitihres Wesens neigende Begierde sich befindet. O, steinernesund metallenes Herz, das so etwas behaupten darf!Wie viel er sich aus der Lehre der heil. Väter macht, dasgibt er in den Worten zu erkennen: „Chrysostomus hat sichgeirrt, wenn er schreibt: Die Gnade kann nichts ohne denWillen, der Wille nichts ohne die Gnade!? — Und wiederumdas von Chrysostomus so oft wiederholte: Wen Er zieht,den zieht Er als Wollenden, muß man nothwendig verwer-fen.Was soll ich nun dazu sagen? Ich erfreue mich mit demManne nach dem Herzen Gottes und spreche mit ihm: „Wiewir's vernommen, also haben wir's gesehen in der Stadt derHeerschaaren, in der Stadt unseres Gottes.“ Ps. 47, 9. — Washaben wir darin gehört? — „Ehre sei Gott in der Höhe undFriede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind.Luk. 2. — Gloria, Ehre, Lob und Dank sei also Gott unsermHeilande im höchsten Himmel, der uns seine Wege gelehrt hat,Wahrheit sind! Welcher (Tit. 2.)die nur Barmherzigkeit undseine Gnaden allen Menschen geoffenbart hat, und uns lehrt derGottlosigkeit und den weltlichen Lüsten entsagen, sittsam, gerechtund gottselig leben in dieser Welt (mit unserm freien Willen ausSeligkeit), indem wir erwarten dieLiebe Gottes und unsererselige Hoffnung und die Ankunft der Herrlichkeit des großen Got-tes und unseres Heilandes Jesu Christi.“ — Gloria und Lobsei Ihm auch in Ewigkeit, wenn er, wie der Prophet sagt (Ps.95, 13), „den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, und dieVölker in seiner Wahrheit.“ Dieses gerechte Gericht wird seinenGlanz nicht darin haben, daß der Mensch, seines freien Willensberaubt, zum Bösen hingezogen worden; nicht darin, daß er zumGuten sich nicht mehr bewegen kann, wie das Metall und derStein; auch nicht darin, daß der Herr dem Gottlosen eine unver-meidliche Nothwendigkeit zu sündigen auf den Hals gelegt hatnoch viel weniger darin, daß die Kraft aller Verirrungen, allerBosheit und Schelmstücke von Gott kommt und in den Herzender Ungläubigen sich festsetzet, wie Calvin gotteslästerlich sich un-tersteht: sondern darin, wie es die ewige Wahrheit und Weisheit1 Nec ulla in ipso inest facultas movendi se ad bonum, non magisscilicet, quam in metallis et lapidibus ad essentiae suae perfectionem inclinans affectio. — 2 Non recte a Chrysostomo scriptum est: Nec gratiam sinevoluntate, nec voluntatem sine gratia quicquam posse operari 2. Inst.cap. 3. — 3 Illud toties a Chrysostomo repetitum repudiari necesse est:Quem trahit, volentem trahit. — 4 Gloria in excelsis Deo et in terra pax ho-minibus bonæ voluntatis!
Druckschrift
Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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72
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