59spornte, und den reformirten Brüdern davon einen sicheren Be-weis gäbe, wenn auch nicht an vielen, doch an wenigen, wo-durch dann die von der katholischen Kirche Verlaufenen angezogenwürden, als ob sie aus Gottesfurcht und durch einen Schein vonEifer für Gott die reformirte Religion annähmen. Denn wasdas Leben der Prädicanten und reformirten Brüder betrifft, wennunter ihnen einige Männer wären, unter Tausend nur zehn, nurfünf, ja nur einer, der mit Anna der Tochter Phanuels (nach demheil. Evangel. Lucas) Gott diente in seinem Tempel Tag und Nachtmit Fasten und Beten, und daß die übrigen reformirten Brüderdieses gutheißen würden, indem sie lehrten, daß es wohl und ver-dienstlich gethan sei, und man dafür von Gott großen Lohn er-halte; ja, würde man nur einen einzigen finden, der mit demApostel in Wahrheit, im Glauben, mit Worten und Werkensprechen könnte: „Brüder, seid meine Nachfolger, wie ich ChristiNachfolger bin“ (I. Cor. 4) und wiederum: „Ich laufe nicht in'sUngewisse, ich streite nicht mit Luftstreichen, sondern ich kasteiemeinen Leib, und unterjoche ihn, auf daß ich, der ich andern ge-predigt habe, nicht selbst verworfen werde“ (I. Cor. 9, 27); und:„Seht jetzt ist die angenehme Zeit, die Tage des Heiles, daß ihrNiemanden ärgert, damit unser Dienst nicht getadelt werde, sondernlaßt in allen Dingen uns beweisen als Diener Gottes in vielenLeiden, in Arbeiten, in Wachen, in Fasten und Keuschheit“ 2c.(II. Cor. 6, 7), wie es tausende in der katholischen Kirche thunund wiederum, (Philip. 4, 8): „Uebrigens, Brüder, was wahr istwas ehrbar, was gerecht, was heilig, was liebenswürdig, wasguten Namen macht, was irgend Tugend ist, was zur löblichenZucht gehört, das beherziget. Und was ihr gelernt, empfangengehört und an mir gesehen habt, das thuet, und der Gott desFriedens wird mit euch sein“; — ich sage, könnte man auch nureinen Schein dieser Dinge an ihnen bemerken, der uns Ursachegäbe, wenigstens einigermaßen das Dasein solcher apostolischenGesinnungen bei ihnen zu vermuthen: so wäre noch etwas Wahresdaran, als wollten sie noch frömmer und heiliger sein als dieKatholiken.Weil aber gerade das Widerspiel der Fall ist, daß mandieses nämlich im mindesten von ihnen nicht denken noch sagenkann, so wollen sie auch nicht einmal, daß man solche gute Meinungund christliche Gefühle von ihnen hege. Denn sie sagen, lehrenund predigen mit vollem Munde, daß alle Menschen Lügner sindund darum auch lügen; daß Niemand rein und keusch in Ge-danken und Begierden sein kann; daß alle Menschen stets einGefäß voll Sünden nachschleppen müssen; daß Keiner Gott dienerkann in Heiligkeit und Gerechtigkeit, wie das Gesetz es verlangt,und er seinen Kindern vorgeschrieben hat. Und um es kurz zusagen: Alle ihre Predigten gehen darauf hinaus, daß Niemandunter ihnen je gewesen ist, noch jetzt ist, noch sein wird, der auch
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Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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59
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