244In deinen Thälern wächst kein Baum noch StrauchUm deine Hügel weht des Todes HauchWo Jungfrau'n einst geführt den muntern Reigen,Da herrschet jetzt des Grabes düst'res Schweigen.Verklungen sind des Volkes Hochgesänge,Das pilgernd einst nach Sion froh gewallt;Verstummet ist das laute Festgepränge,Der Pauken= und Posaunenschall verhallt.Denn, ach! Jehovah's Tempel sank in TrümmerUnd nirgends leuchtet mehr der Hoffnung Schimmer.Wo einst dem Herrn man Opfer dargebracht,Ragt Mahom's Tempel jetzt in stolzer Pracht;Es strebt das Minaret hoch in die Lüfte,Wo Schutt ringsum bedeckt die Königsgrüfte.Jerusalem, Jerusalem, ach! kehreZurück zum Herrn, den du so schnöd' gekränkt;Denn ob die Schuld dich noch so sehr beschwereEr deiner doch in Gnaden stets gedenkt.Der sterbend einst am Kreuz mit seinen ArmenDie Welt umfaßt', hat auch für dich Erbarmen,Schau gläubig nur nach Golgatha empor;Dort ging des Lebens Sonne einſt hervorFür dich und mich aus Nacht und Todesschauer;Und darum lieb' ich dich in deiner Trauer.O könnt' ich einst auf deinem Boden sterben,Den Jesu Blut getränkt aus tausend Wunden,Damit das Heil, was du verscherzt, wir erben;Des Herzens Sehnsucht hätt' ihr Ziel gefunden.Jedoch den Pilger rufen andre Pflichten.Ich greif' zum Stabe; doch wohin sich richtenAuch meine Schritt' auf meiner Lebensbahn,Ich werd', was ich geschaut, — es war kein Wahn! —Der Wahrheit Zeugniß gebend, offen sagen,Und sterbend noch dein Bild im Herzen tragen.Düsseldorf.Pfarrer Schmitz.
Druckschrift
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
244
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