216sich in etwa gelegt hatte, konnten wir weiterziehen, denndie Pferde waren wieder so willig wie zuvor. Der Re-gen aber wurde jetzt stärker und in den Thalgründenhatten sich Bäche zu kleinen Seen gebildet, wo wir durchmußten, was oft zu sehr ergötzlichen Scenen führte.Unter andern legte sich das Thier, welches eine Wienerinritt, die als Pilgerin in Jerusalem war und sich unsbei den Reisen im Innern des Landes angeschlossen, mitder Reiterin ganz gemüthlich in's Wasser und wälzte sichzu seiner Erholung mehrmals darin herum. Da derRegen noch immer stärker wurde und das Unwetter sichverschlimmerte, suchten wir in einer elenden Hütte, diemehr einem Stalle und einer Räuberhöhle, als einermenschlichen Wohnung glich, bei Türken Schutz.Beidieser Gelegenheit wurde mir von den Bewohnern derHütte, die sich sehr viel um uns zu schaffen machten, einseidenes Schnupftuch gestohlen, was wahrscheinlich ge-schah, während unser Dragoman das Frühstück servirte,welches wir in Ermangelung von Stühlen stehend zuuns nahmen. Der Regen ließ nach und wir setzten un-sere Wanderschaft fort. Wir kamen durch schöne Wiesen,wo arabische Pferde sich frei herumtummelten, ganzeSchafheerden mit ihren Fettschweifen, Ziegenheerden mitungeheuern großen lappigen Ohren begegneten uns hier.Der Adler schwebte oft in der Luft, während Störche,Geier und wilde Enten sich vor uns nicht erschreckten,sondern ruhig im Grase spazirten. Rehe und Hirschesollten sich hier auch aufhalten, ich habe aber keine ge-sehen. Nach vielen Mühen und Beschwerden gelangtenwir endlich an den Fuß des Berges Carmel und mußten
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Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
216
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