209Gegend und nahmen von ihr Abschied. Auf der weiterenReise sahen wir die Bäume von Hitin, wo die Kreuzfahrerjegen Saladin nicht nur die Schlacht, sondern auch dash. Kreuz verloren. Um 12 Uhr kamen wir in dem DorfeLeobick an, lagerten uns im Schatten hoher Bäume undfrühſtückten. Fruchtreiche Gegenden führten uns nun nachdem Aehrenfelde, wo die Jünger am Sabbate Aehren ge-pflückt und zum Aerger der Pharisäer in der Hand zerriebenhatten. Gegen 3 Uhr kamen wir nach Kana in Galiläa,begaben uns gleich in das Haus des Nathanael, des ApostelBartholomäus und von hier nach der Stelle, wo das Hausstand, wo bei der Hochzeit zu Kana der Herr Sein erstesWunder wirkte und Wasser in Wein verwandelte. Hier standfrüher eine Kirche, jetzt nur eine Ruine; eine Säule bezeich-net die Stelle, wo das Wunder stattfand. An der andernSeite der Straße, der Säule grade gegenüber, befindet sicheine kleine schismatisch=griechische Kirche. Die Griechen be-anspruchen das Eigenthumsrecht an den vorgenannten denk-würdigen Ort. Kana ist nur ein armseliges, dem Verfallübergebenes Städtchen von nur einigen hundert Einwohnern.Außerhalb der Stadt besuchten wir die Quelle, woraus dasWasser geschöpft worden, welches der Herr bei der Hochzeitin Wein verwandelte. Wir stiegen von unsern Pferden undtranken aus der Quelle, dann sagte ich zu dem Franziskaner:„Wir haben keinen Wein mehr“. Ich nahm einen Steinaus der Quelle und legte ihn zu den übrigen Andenken.Wir stiegen zu Pferde, setzten unsere Reise fort und kamengleich nach 4 Uhr wieder in Nazareth an, wo wir zu unserergroßen Freude hörten, daß die zurückgebliebenen Mitpilgersich von ihren Anstrengungen ziemlich erholt hätten.14
Druckschrift
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
209
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