207schönsten Gottestempels in der Natur. Der Pater Präseserzählte uns viel von den Leiden und Drangsalen, diehier die armen Franziskaner auszustehen, und von denEntbehrungen, womit sie zu kämpfen haben. Möge ihnenbald Hülfe und Unterstützung zu Theil werden! Wirnahmen Abschied von den guten Franziskanern, begabenuns nach unsern Zelten, wo wir, auf den Vorschlag desPater Präses gerne eingehend, unsere Pferde bestiegenund einen Spazierritt dem See entlang machten.Am Ufer des See's standen, soweit man sehenkonnte, blühende Oleander, dazwischen hin und wiederviele Olivenbäume, die theilweise mit Bändern und bun-ten Lappen geschmückt waren. Wie uns erzählt wurde,werden diese Gegenstände von Kranken an den Bäumengebunden, in dem Glauben, dadurch von ihren Leidenbefreit zu werden. Als wir ungefähr eine halbe Stundeam See entlang geritten waren, kamen wir an ein vomPaſcha von Tiberias 1840 aus weißem polirtem Mar-mor erbautes, rundes Badehaus von 40 Fuß Durch-messer. Die Decke wird von acht Säulen getragen. Inder Mitte ist ein runder Wasserbehälter zum Baden ein-gerichtet, der von einer im Gebirge entspringenden heißenQuelle gefüllt wird. Das Wasser hatte hier in diesemkleinen Badeteiche noch immer 30 Grad Hitze. Rings-herum sind marmorne Sitze zum Ausruhen angebracht.Von hier ritten wir zu dem Felsen, wo die Quelle ent-springt, und hatte das Wasser hier eine Wärme von '38Grad. Die Quelle fließt im Freien durch eine Felsen-rinne, wodurch das Wasser im Bade eben so viel abge-kühlt ist, daß der Muselmann dasselbe benutzen kann,
Druckschrift
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
207
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