Druckschrift 
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Entstehung
Seite
201
Einzelbild herunterladen
 

201unter den Halbmond gekommen ist. Wir ritten nunweiter, die Gegend wurde wellenförmig, wir kamen durchprächtige Wiesen und je näher wir Tiberias kamen, wurdeauch die Vegetation immer üppiger und schöner. Alswir den letzten sanft aufsteigenden Hügel ungefähr biszur Höhe erreicht hatten, hielten wir unsere Pferde an,denn wir sahen in der Ferne den lieblichen See Gene-sareth, ruhig, still und so glatt wie einen Spiegel voruns liegen. Der Pater Präses sagte: Nun, meine Herren,noch einige Schritte weiter und wir haben die Höhe er-reicht. Wir folgten seiner Aufforderung und ich sahbald bei wundervoller Abendbeleuchtung das herrlichstePanorama, das ich in meinem Leben geſehen habe.Zu unsern Füßen lag die Stadt Tiberias mit ihrenMauern, Zinnen, Thürmen und Minarets am See, sichin den klaren Wellen spiegelnd. Im Hintergrund derAnti=Libanon mit seinen blendend weißen Steinen undmit seinem in die Wolken reichenden ewig schneebedeck-ten Gipfel. Rechts den See, mit hohen Bergen umgeben,worauf das Auge ruhte. Links der Berg der Brodver-mehrung in seiner schönen Formation, bekleidet mit einemimmer grünen Teppiche und Millionen und abermalsMillionen Blumen in der herrlichsten Farbenpracht. Mirwar's, als wenn hier ein ewiges Frohnleichnamsfest ge-feiert würde. Etwas weiter links der Berg der achtSeligkeiten und hinter uns überragte der Tabor maje-stätisch alle Hügel und Berge, die zwischen uns unddem Tabor lagen. Ein Gottesfriede ruhte auf dieserlieblichen Gegend. Fürwahr! etwas Schöneres ist kaumauf Erden zu finden. Auf dem Meere gebot der Herr