Druckschrift 
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Entstehung
Seite
198
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198eingeschlagen. Als das Thier sah, daß es nicht durch-kommen würde, kehrte es ruhig mit seinem Reiter umund wählte einen andern Fußpfad. Nur selten wurzelteein Zwergbaum oder einige Gesträuche in den Felsspal-ten. Der Senior der Karawane hatte das Unglück, vomPferde zu fallen, weil der Sattelgurt entzwei ging (dasSattelzeug war mehr als mangelhaft) und gerade aneiner recht gefährlichen Stelle stürzte auch mein Pferdmit mir. Ich hatte Geistesgegenwart genug, mit allerKraft dahin zu wirken, daß ich mit meinem Pferde mög-lichst nach der rechten Seite zu liegen kam, denn fiel dasPferd nach der linken Seite, so wäre ich jedenfalls inden Abgrund geschleudert worden. Ich war der letzteder Reiter und so lag ich gleichsam verlassen da, weildie andern Herren schon ziemlich vorauf waren. Weh-that mir nichts, mein rechtes Bein lag geschützt zwischenzwei Felsstücken und es gelang mir ohne fremde Hülfewieder aufzustehen und ich dankte Gott und meinen Schutz-engel, daß ich vor allem Schaden bewahrt geblieben bin.Mein armes Pferd aber, welches furchtbar stöhnte, konnteich allein nicht auf die Beine bringen, und so setzte ichmeinen Weg zu Fuß fort und langte um 9 Uhr auf demTabor an, zur großen Verwunderung der übrigen Herren.Den Dragoman und ein paar Mucker schickte ich sofortnach meinem Pferde aus, die nach einiger Zeit mit dem-selben oben ankamen. Auch das Pferd hatte keinen Scha-den gelitten. Auf dem Tabor sind zwei neben einanderliegende Grotten. Die erste ist 18 Fuß lang, 9 Fußbreit und 9 Fuß hoch und dient als Kapelle; die zweiteGrotte, links liegend, ist 8 Fuß lang, 8 Fuß breit und