194kinder, geführt von den Nonnen von Nazareth, zuletztkamen die Frauen. Hier war kein Drängen, sondern einJeder ging andächtig seine Wege. Den Nachmittag be-suchten wir das Haus des hl. Joseph, jetzt eine Kapelle,30 Fuß lang und 18 Fuß breit. Der Altar ist vonweißem Marmor, das Altarbild stellt die h. Familiein der Werkstätte des hl. Joseph dar. Der Heilige bil-det die Hauptfigur mit einem wundervollen Antlitz; dasGemälde ist von dem Maler Frühling aus Wien. Un-ter dem Altartisch sieht man noch ein kleines Bild, eben-falls die h. Familie darstellend, wo aber der Heilanddie Hauptfigur bildet. Dann besuchten wir den Zitter-berg und hörten von dem Pater Franziskaner, der unsbegleitete, auf meine Frage, ob die Bewegung des Ber-ges, die wir zu sehen glaubten, optische Täuschung sei,folgende Legende: „Als Maria in ihrem Hause be-schäftigt, hörte, daß die Juden den Herrn, nachdem erzum ersten Male in der Synagoge gepredigt hatte, ausder Stadt hinausführten, um Ihn vom Berge herunterzu stürzen, eilte sie in ihrer Angst hierher, um zu sehen,was man mit dem Herrn anfangen würde. Maria sahhier, daß die Juden ihren Sohn angegriffen und ihnvon dem seitwärts gegenüberliegenden steilen Felsen herun-terstürzen wollten. Die geängstigte Mutter erschrak undzitterte und mit ihr zitterte der ganze Berg. Die Ju-den aber ließen den Herrn los und Er ging mitten hin-durch.“ Dann besuchten wir eine Grotte im Felsen, dienoch ganz so war, wie zur Zeit Christi die Leute siebewohnten; den Neubau einer Kapelle über dem Steine„Mensa Christi“ (Tisch Christi), woran der Herr oft
Druckschrift
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
194
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten