143mittag begaben wir uns durch das Damascus=Thor nachdem Berge und der großen Grotte des Propheten Jere-mias, wo der genannte Prophet wohnte und seine Klage-lieder schrieb über die künftige Zerstörung Jerusalem'sund die Wegführung des israelitischen Volkes in diebabylonische Gefangenschaft. „An den Wassern zu Baby-lon saßen sie und weinten, wenn sie an Sion dachten.Diese Grotte liegt unter einem Felsen und bietet Raumfür eine ganze Familie nebst dem kleinen Viehbestandund ist annähernd 35 bis 40 Fuß lang und breit. Vorder Grotte war ein kleiner Garten angelegt und der dortin der Grotte wohnende Türke gab mir bei Ueberreichungdes Bakschisch einige Blumen. Von hier begaben wiruns zu einem andern Felsen, den Gräbern der Könige,welche nahe bei der Jeremias=Grotte liegen. Diese gabenmir so recht die Anschauung, wie das h. Grab gewesen,ehe es mit Marmor bekleidet war. Nachdem wir unseremitgebrachten Kerzen angezündet, gingen wir in die Grä-ber hinein und stellten unsern Kawassen als Wache anden Eingang. [Um in dieselben zu gelangen, mußten wirviele Stufen unter der Oberfläche heruntersteigen. Vorjedem einzelnen Grabe oder doch vor jeder Familien-gruft, welche auch hier unter dem Felsen ausgehauenwaren, befand sich eine Vorkammer, in welcher sich dieVerwandten vor dem eigentlichen Grabe versammelten,um für die Verstorbenen zu beten. Aus den Vorkam-mern führte ein kleiner Eingang, der mit einem Steineverschlossen war, in das Grab. 4—5 Leichen wurdenwagerecht in ausgehauene Nischen gelegt, jedoch so, daßjedesmal nur eine Leiche in eine Nische zu liegen kam.
Druckschrift
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
143
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