Druckschrift 
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Entstehung
Seite
128
Einzelbild herunterladen
 

128Fac me cruce custodiri,Leih mir Christi Kreuz zur StützeMorte Christi præmuniri,Daß mich Christi Tod beschütze,Confoveri gratia!Laß mich ruh'n im Gnadenschooß,Quando corpus morieturSinkt der Körper in die Erde,Fac, ut animæ doneturParadieses Wonne werdeParadisi gloria!Dann durch dich der Seele LoosZuletzt besuchten wir die Stelle, wo der Herr nachseiner Auferstehung der hl. Maria in Gestalt eines Gärt-ners erschienen war, und begaben uns gegen 10½ Uhrnach dem Kloster zurück, um in unsern Zellen etwasauszuruhen. Geistig durchdrungen von all den tief er-greifenden Trauerfestlichkeiten der letzten Tage der Char-woche und körperlich ermüdet legte ich mich zur Ruhe,um gegen 12 Uhr wieder aufzustehen. Aber der Schla-wich dem müden und aufgeregten Pilger.Etwas vor zwölfUhr läutete es für die Franziskaner, um ihren nächtlichenChorgesang zu halten und zu gleicher Zeit wurden auchwir von dem Franziskaner unserm Wunsche gemäß daranerinnert:Die Mitternachtsstunde habe geschlagen.Allein ich fühlte mich zu erschöpft, um aufstehen zukönnen, dasselbe muß ich von meinem Gefährten sagen,und wir beschlossen deshalb, bis 4 Uhr liegen zu bleiben.In dem Augenblick aber, als der Schlaf sich meiner be-mächtigen wollte, sprach eine Stimme so liebevoll unddoch so wehmüthig in meinem Innern, daß ich sie nievergessen werde, die Worte:Kannst du denn nicht eineStunde an meinem Grabe wachen? Es war mir wieein Mahnruf, dem ich unwillkürlich folgen mußte. Sofortstand ich auf, meine Müdigkeit war verschwunden, undkehrte in Begleitung des Herrn Pastor Palm in die hl.