109hatten außerhalb des türkischen Militärspaliers, damitder innere Raum frei blieb, Platz genommen und wur-den nun zu zweien von einem Franziskaner=Pater vonder einen Seite durch das Militairspalier zum Altaregeführt, dann vom Cermonienmeister nach empfangenerhl. Communion nach der andern Seite wieder zurück ge-leitet. Zuerst kamen die Männer, die auch bei der heil.Communion den Kopf bedeckt hielten, dann die Frauen.Ich kann nicht umhin, hier einen schönen Zug vontürkischen Soldaten mitzutheilen.Unter den Frauen erregten zwei, ganz gleich ge-kleidet, meine Aufmerksamkeit, die nach Empfang der hl.Communion sich sogleich entfernten und zuletzt wiederkehrten und eine reich gekleidete kranke Frau an denAltar trugen, wo sich Letztere nieder kniete. Der Cer-monienmeister, der dieses nicht bemerkt hatte, führte diebeiden Dienerinnen, in dem Glauben, daß diese zuletztcommunicirt hätten, zurück und nun blieb die arme hülf-lose kranke Frau ganz allein zurück. Der Patriarchreichte auch ihr die hl. Communion, der Ceremonien-meister wollte sie wegführen, allein die Kranke vermochtenicht ohne Hülfe aufzustehen. Von den geistlichen Herren,die alle im Ornat waren, konnte Keiner sie wegbringen;dies bemerkten nun zwei türkische Soldaten, gaben ihremNebenmann ihr Gewehr und kamen mit niedergeschla-genen Augen und über die Brust gekreuzten Armen zumAltare, hoben die kranke Frau auf und trugen sie wiederzu ihren Dienerinnen zurück. Mir war's, als wennEngel nicht ehrerbietiger zum Altar des Herrn hinzu-treten könnten, als diese beiden Türken. Ich betete, Gott
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Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
109
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