921860 ihres christlichen Bekenntnisses wegen von den fana-tischen Drusen in Damaskus ermordet worden. Diearmen Kinder haben diese Greuelthaten selbst mit an-sehen müssen, und danken nun Gott, an diesem friedlichenOrte eine so liebevolle Aufnahme gefunden zu haben.Die Kinder sahen blühend und gesund aus, waren beiunserer Ankunft mit weiblichen Handarbeiten beschäftigtund begrüßten uns mit einigen mehrstimmigen arabischenMarienliedern. Dann begaben wir uns in's Klosterzum „Ecce homo=Bogen“, wo der Herr dem Volke gezeigtworden war und Pilatus sprach: „Sehet, welch' einMensch!“ — Hier stand der Herr, gegeißelt und mitDornen gekrönt, und für wen?Für das ganze sündige Menschengeschlecht, auch fürmich!* ** * *Das Kloster war im Bau so ziemlich vollendet, die Kirchejedoch kaum begonnen, und mußte wegen der fehlendenGeldmittel liegen bleiben. Die Oberin hatte die Freund-lichkeit, uns durch alle Räume zu führen, wo uns dieaußerordentliche Reinlichkeit, im Gegensatz zu dem imOrient herrschenden Schmutz in den Wohnungen, destoangenehmer überraschte. Die Kinder schlafen hier aufMatten von Schilf, welche bei Tage aufgerollt sind.In der Nähe des Klosters befindet sich der vermauerteBogen, wo die Treppe war, die der mit Wunden be-deckte Herr beim Besteigen zum Richterstuhle des Pilatusdurch sein Blut heiligte. Diese Treppe (sancta scala)befindet sich in Rom, wo ich dieselbe auf meiner Rück-fahrt noch zu sehen hoffe. Wir verließen nun die Stadt
Druckschrift
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
92
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