33Hände fällt! Um 12 Uhr begaben wir uns wieder anBord und um 1 Uhr Mittags ging das Schiff wiederin See. Sehr große Geldsendungen wurden von Korfunach Alexandrien mitgenommen und in den unterstenSchiffsraum hinabgelassen, theils für die türkische Re-gierung, theils für Kaufleute, die dort bedeutenden Han-del treiben. Bei unserer Abfahrt ging gleichzeitig einDampfer nach Triest, welcher meine Briefe nach Deutsch-land beförderte. Das Wetter war ausgezeichnet. Inder Nähe und so lange als Korfu zu sehen war, fuhrenviele Schiffe nach allen Richtungen hin ab. Korfu istein bedeutender Handels= und sicherer Hafenplatz. DieUfer wurden nun allmählig kahl und öde. Nur hierund da sah man etwas Grün oder einen vereinzeltenkümmerlichen Baum. Dann kommen nur Felsen undrauhe Klippen. Abends zwischen 8 und 9 Uhr passirtenwir mehrere kleine Inseln, welche größtentheils unbe-wohnt sind. Nachdem wir einige Marienlieder gesungen,begaben wir uns zur Ruhe.9. März. Das Wetter ist so schön, das Meer soruhig und spiegelglatt, das Bild eines guten Gewissens.Heute Morgen schoß der erste Schiffslieutenant ausLangweile eine Seemöve, welche mit vielen anderen unserSchiff begleitete und so friedlich und schön hinter demSteuerruder flog; das arme Thier stürzte unter schmerz-lichem Geschrei ins Meer, erhob sich noch einmal undversank dann in den Wellen. Wie unerwartet kommtder Tod! — Mittags 12 ½ Uhr verloren wir die letzteSpitze von Europa aus den Augen, um uns Afrika zunähern. Lebet wohl all' ihr Lieben in der Heimath!
Druckschrift
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
33
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