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Baestrode, als Stiefvater trat. Er war talentvoll, wurde ein
tüchtiger Jurist und Geschäftsmann, aber nicht characterfest.
Seine Fehltritte in Cöln wurden durch Späher dem Prinzen
Wilhelm berichtet und dieser glaubte klug zu handeln, indem er
der Prinzessin die Subsistenzmittel in Cöln entzog und in Siegen
anwies, denn dass sie dahin ziehen und Rubens zeitweise zu sich
berufen würde, schien nicht zweifelhaft, also die Gefaugen-
nehmung des Frevlers an fürstlichen Ehren ohne Aufsehen möglich.
Was man erwartet hatte, ging in Erfüllung; die Folgen davon
sind oben erzählt. Es erübrigt nur in Kürze die Lebensverhältnisse
seines Sohnes Peter Paul, des grossen Meisters, zu berühren.
Dieser wurde, wie gesagt, am 29. Juni 1575 zu Siegen geboren,
kam als dreijähriges Kind nach Cöln, erlebte als siebenjähriges
die drei Schreckenswochen, wo sein Vater dem Henkertode erliegen
sollte und seine Mutter in steten Mühen, Aengsten und Thränen
war, und übersiedelte endlich, vollständig 12 Jahre alt (an seinem
Geburtstage) mit Letzterer nach Antwerpen. Nachdem er hier
seine Studien fortgesetzt, dann sich als Page der reichen und
angesehenen Gräfin Laiarn in den Formen der nobelen Welt geübt
hatte, gab seine Mutter seinem angebornen Talente für Malerei
Folge und Hess ihn durch den vielgerühmten Historienmaler Adam
van Nordt und seit 1596 durch den noch berühmtem Hofmaler
Otto Venius, der sich kurz vorher in Antwerpen niedergelassen
hatte, unterrichten. Bei seinen Talenten wurde er in kurzem
Meister, und zog als solcher, wohl empfohlen durch Erzherzog
Albert, am 9. Mai 1600, also noch nicht ganz 25 Jahr alt, nach
Italien, um die dortigen Meister zu studieren.
Rubens arbeitete zuerst zu Venedig, dann einige Jahre amHofe des Herzogs von Mantua, der ihn als seinen Gesandten nachMadrid zum Könige Philipp von Spanien schickte, ferner zu Rom,dann zu Florenz beim Grossherzoge, darauf neuerdings zu Venedigund Rom und zuletzt zu Genua und liess überall Werke seines viel-gesuchten Pinsels zurück. In letzter Stadt erhielt er die Nachriebt,dass seine Mutter gefährlich erkrankt sei, ungesäumt eilte er nachAntwerpen, wo er Anfangs November 1608 eintraf; zu spät, siewar schon am 19. Oct. gestorben. Sein erster Gang war zu ihremGrabe, in der Abtei St. Michael, bei dem er lange Zeit in tiefemNachdenken verweilte. Hatte er doch in ihr -das Theuerste, waser besass, an dem sein ganzes Herz mit vollster Liebe gehangenhatte, verloren. Das sprach er auch auf dem Denksteine aus, den