November 1547, 893
Die Vorlagen der Mailänder Botschaft auch in der Bernersammlnng 1. o. S. 5S7; auch beim Schwyzerund Basler Abschied und im K, A. Solothurn: Abschiede Band 28.
Zu <>. Wir verzeichnen hier den allerdings datumlosen „Päpstlicher Hlkt. Vortrag": Gemeine Eid-genossen als wahre getreue Schützer und Schirmcr der Freiheit christlicher Kirche sollen vernehmen, daß ihmder Cardinal Farncse Briefe zugeschickt, d.d. 28. October, woriu ihm befohlen werde, sie zu erinnern, wieoft schon sie zum freundlichsten ersucht worden, ihre Prälaten und Gelehrten oder wenigstens ehrsame Bot-schaften auf das Concil oder Gesprächtag zu schicken; und weil jetzt abermals ein Concil zu halten verordnetsei, so soll der Gesandte sie nochmals hochdringlich ermahnen und bitten, dem Ansinnen S. Heiligkeit und desCollegiums zu willfahren. Daneben soll er ihnen auch ankünden, daß sie ungeachtet der jämmerlichen Ent-leibung des Herzogs zu Parma und Placenzia, womit sie allerdings einen guten Gönner, Freund und Nachbarnverloren haben, sich der fortwährenden Zuneigung des Papstes, des Collegiums und des Hauses Farnesegetrösten dürfen z denn alle werden sich nach Vermögen befleißen, die Ehre, Wohlfahrt und Freiheit der Eid-genossenschaft auf jede Weise zu fördern. Aus besonderer väterlicher Liebe und Gunst ermahnen dieselbendie Eidgenossen, sich allezeit rechter und wahrer Einigkeit zu befleißen, nicht bloß um ihrer selbst willen,sondern auch aller andern christlichen Potentaten Wegen, die sich immer auf die Hülfe dieser Nation verlassen,(wenn sie Krieg anfangen). Daß die Stadt Placenz zurückgegeben werde, sei bisher noch nicht zu spürengewesen; doch seien Papst, Collegium und Haus Farncse in starker Hoffnung, daß der Kaiser, seiner angc-bornen gnadenreichen Milde und Gerechtigkeit zufolge bald freundlich die Wiedergabe der genannten Stadtbewilligen werde, nämlich zu Händen des Herrn Octavio, seines Tochtermanns, und daß er auch die Urheberdes benannten Todtschlags wolle bestrafen lassen. Hiebet wolle er, der Gesandte, auch anzeigen, daß er wiederüber den Gotthard reisen und versuchen wolle, ob sein Herr und'Patron eine andere Botschaft hieher schickenund ihn wolle heimkehren lassen . . . und bitte hicmit um freundlichen Urlaub mit verbindlichem Dank fürbas ihm vielfach erwiesene Gute, und wenn er sich hier in etwas vergangen und zu Mißfallen Anlaß gegebenhätte, so möge man es seinem geringen Verstand und seiner „Unbescheidenheit" zumessen und allen Zornund Widerwillen fahren lassen w. In allen Sachen, die sich weiter zutragen möchten, verlasse er sich aufAlbrecht Rosin, den er im Namen seiner Committenten hiemit freundlichst empfehle. — Dies die Substanz desänßerst wortreichen Schriftstücks.
St. A. Lucern: Abschiede U L, k. 50S. — St. A. Zürich: A. Papst. — St. A. Bern: Allg. eidg. Abschiede Iw, S. 557, unmittelbar vor demAbschied vom LS. November 1547. — L. A. Schwyz: Bei diesem Abschied. — K. A. Basel: Abschiede 1547— 4S. — K. A. Solothurn:Abschied Bd. SS.
Zu X. Beim Zürcher Abschied liegen folgende (wohl der Hauptsache nach allen Orten mitgetheilte)Missiven: 1) Lucern, 12. October 1547. Dangerant an Zürich. Der König habe ihn anstatt Liancourtsuls Gesandten in die Eidgenossenschaft abgeordnet; er übersende diesfalls seine Credenz und seinen schriftlichenVortrag und bitte um beförderliche Antwort (Original). 2) Vortrag (des Obigen) ohne Unterschrift undDatum: 1. Der König habe ihn insbesondere beauftragt, auf Erneuerung der Vereinung hinzuwirken, obwohldieselbe erst drei Jahre nach des Vaters Tod zu Ende gehe. Dabei wünsche der König sehr, die ganzeEidgenossenschaft möge die Vereinung eingehen und Zürich („ir") auch in der Zahl begriffen sein. Manwöge in Betracht der Zeitläufe den Nutzen dieser Vereinung bedenken. 2. Der König sei von Liancourtderichtet worden, wie die Anwälte des Kaisers aus Burgund und Mailand in der Eidgenossenschaft eineVereinung zum Nachtheil der mit dem König bestehenden zu errichten bemüht seien. Er ersuche die vonZürich („ir"), als die „fttvnämsten", solche Practiken zu verwerfen. 3. Man werde die wider Constanzwaltenden Anschläge kennen. Da diese Stadt ihnen (Zürich, den Eidgenossen?) so nahe liege, so wolle denKönig bedüuken, es wäre gut und nothwendig, wenn zur Abwendung von Schaden diesfalls ein Einsehengethan würde. 4. Der Unfall, der dem Herzog von Piacenza, Pierre Loys, Sohn des Papstes, in schänd-licher Weise veranstaltet worden sei, werde bekannt sein und jeder möge hieran ein Beispiel nehmen. 3) Solo-thurn den 10. November. Dangerant (an Zürich). Auf seinen von Lucern aus gesandten Brief, Credenz undVortrag habe man geantwortet, man wolle diese Anbringen einem höhern Gewalt vorlegen. Wie er vernehme,