400 Juni 1544.
5. Der Gesandte vernehme, wie Fernand Gonzaga, des Kaisers Gubernator zu Mailand, Boten zum Kaisergeschickt habe, um ihm vorzustellen, daß es mehr als nöthig sei, 10—12 Fähnchen Landsknechte nach Italienzu schicken, ohne welche Hülfe er nicht Widerstand leisten könnte! daneben habe derselbe fünf oder sechs Grau-bündner, die stets bei ihm seien, abgefertigt, um (in Graubünden) Widerwillen gegen den König anzustiften,nämlich Gilbert von Salis, Bartholomäus Stampa und drei andere, worunter der Sohn des alten Dietegenvon Salis! diese practiciren in Domaso für einen heimlichen Aufbruch! die Obersten des Landes haben abervor dein Aufbruch gewarnt und befohlen, die Anstifter zu fangen. Der Gesandte bittet die Eidgenossen, andie Graubündner zu schreiben, daß sie solche Unruhen nicht gestatten wollen. 6. Da viele eidgenössischeKnechte unter den Landsknechten ziehen, die der Kaiser aufbrechen lasse, so bitte der König, auch dieses zuverhindern; sie mögen sich erinnern, wie er ihnen auf dem letzten Tage vorgestellt, daß der Kaiser ihreKnechte nicht begehre und ihnen wenig Gutes wünsche. 7. Da der Krieg offen ausgebrochen sei und nocheinige Feinde des Königs sich in der Eidgenossenschaft aufhalten, so bitte dieser, kraft des Friedens, der Ver-einung und der bestehenden Freundschaft, dieselben wegzuweisen, zumal sie nur als Späher dienen. 8. Nachdemihm die Verordnete» der Eidgenossen vorgestern angezeigt, daß die Gesandten aus Burgund ein Schreibenan den König begehrt haben, damit er keine Neuerung unternehme, daß sie aber nicht entsprechen wollen,bevor sie wissen, daß er deren eigenes Schreiben absenden werde, gebe er darauf diese Antwort: Es sei zwarnicht besonders billig, daß er solche Briefe von Feinden annehme, da der Mehrtheil des Adels (der Graf-schaft) im Kriege Wider den König stehe; aber zu Gefallen der Eidgenossen werde er dieselben fertigen, sobaldsie ihm zukommen und die Antwort berichten. Schließlich bitte er, Wohl zu bedenken, daß nur die Einigkeitder Eidgenossen den Muth ihrer Feinde breche, die kein anderes Mittel haben, für ihren Vorthcil etwasFruchtbares zu hoffen, als Zwiespalt und Zertrennung, die sie in diesen Landen säen.
Die Protestation (ohne Datum) ist angehängt. Der Wirkung wegen, die bei der Mittheilung beab-sichtigt und auch erzielt worden ist, möge hier eine Stelle folgen: Der König habe öffentlich verkündet undbezeugt, daß die Kirche, wenn der Papst die Waffen zur Hand nähme und nicht bloß Italien, sondern beinaheganz Europa in den Krieg verwickelte, in die äußerste Gefahr versetzt werden könnte, was ihm den größtenKummer und Schmerz verursachen würde; die Schuld könne man also nicht ihm zulegen, da er vorhin Allesgethan, um solches zu verhindern; man solle ihn auch nicht anklagen, das nach Trient angesetzte Concil Z«verspäten, indem der Verzug aus dem Kriege mit Nothwendigkeit folge. Nichts desto weniger habe er nichtaufgehört, den Papst mit allem Ernst zu bitten und zu ermahnen, je länger je mehr zu bedenken, wie vielSchaden und Gefahr dem gemeinen christlichen Wesen aus dein Kriege erwachsen möchte.
„Jedoch, wiewol der aller christenlichist künig mit siner sorgveltigkeit und flyß sp (die p. Ht.) sittlichergroßen dingen bericht hat durch sinen sandtboteu und ernstlich ermahnt, so ist es doch sover davon ges"'-daß er in (den Papst) weder mit göttlichen noch weltlichen exemplen hat mögen bewegen, sonders anstatt desfridens, und die rüw zu beschirmen, und anstatt der (den) zweyspalt derselben zeminderen, so zwüschcn de»christenlichen fürsten sich haltet, und dieselben Hinzenemen und uszurüten, und anstatt daß er sölte sicherheitmachen, daß man das Concilium möchte besuchen, hat er vil lieber wölken Jtaliam mit sölichem tödtlichcwkrieg anzünden, durch wellichen angends von Notwendigkeit wegen das ganz Europa entzünt, und darinitWüschen den gemütern nüwe zweytracht und Uneinigkeit erwecken, und alle zugäng und mittel, so verhandelndas Concilium zehalten, us beschließen, in gestalten das ongenschinlich, daß dis nüw ansächen des Trientische"Conciliums nit zu nutz und wolfart der ganzen und geineinen kilchen angesächen, sonders durch ein besondereversamlung etlicher fürsten beschächen, damit inen sölichs ane einiches Widerreden zu iren besonderen sackMund nutz möchte dienen, und Will ansächen lassen, daß üwer Ht., sovil an iro gelägen, den allerchristenlichistr»künig hat wellen darmit us beschließen und in der frucht des Conciliums berouben, wie dann sölichs üwerHt. rät im ansang, fürfaren und usgang ganz offcnbarlich anzeigen, weliche niemerme ein sölichen sorgkliche»und schadhaften krieg sölte angefangen haben, und ob glichwol derselb widerstanden, sölte sy doch denselbennit us so kleinfügen Ursachen füren, in ansächen daß zum dickermal die frommen fürsten, die mit groß'mechtigkeit begäbet sind, denen vil größere schmach zugefügt, die haben den friden behalten. Diewyl aber