Druckschrift 
Deutsche Illustratoren
Entstehung
Seite
74
Einzelbild herunterladen
 

74

DIE KUNST UNSERER ZEIT

Typen aus romantischer Vorzeit in schönen, gehaltreichen Zeichnungen zu schildern liebt. Derkernigen, schnittigen Zeichenweise, die er sich angeeignet hat, merkt man es an, dass seine Handauch gewöhnt ist, den Stichel und das Schnitzmesser zu führen. Er hat Arbeiten des ihm geistig soverwandten Ludwig Thoma meisterlich illustriert, z. B. einen geradezu klassischen Bilderschmuckzu dem Lebensbilde „Der heilige Hies" entworfen. Neuerdings bringt der Simplicissimus auch öfter

Zeichnungen des jungen P a s c i n,dessen eigentümliche Spezialitätes ist, menschliches Elend undDegeneration aller Art mit genialerals auch unheimlicher Phantastikzu karikieren.

Die Zahl der Künstler,welche die drei bedeutendstenillustrierten deutschen Zeitschriftenbeschäftigen, beträgt — zufälligeund ganz gelegentliche Mitarbeitergar nicht eingerechnet — überachtzig — eine stattliche Ziffer,die wohl erkennen lässt, welchewirtschaftliche Bedeutung die illu-strierten Zeitschriften im deutschenKunstleben haben. Und sehr be-deutsam ist die Tatsache, dassalle drei Zeitschriften in Münchenentstanden sind und zum über-h wiegenden Teile aus der MünchenerKünstlerschaft ihr Mitarbeiterheerrekrutieren, dass anderswo bisjetzt sich kein ähnliches Unter-nehmen auf künstlerischer Höhe

Er)ist Heilemann. The Beiles öS New-York

(Aus den „Lustigen Blättern", Berlin)

erhalten konnte. Auch andere Witzblätter beschäftigen einige vortreffliche Zeichner, wie der„Kladderadatsch" und die „Lustigen Blätter" in Berlin, aber entweder, wie bei demersteren, tritt die Illustration weit hinter den Text zurück, oder es ist, wie bei den letzteren, daskünstlerische Prinzip nicht gleichmässig durchgeführt und neben den guten Darbietungen auchdem Geschmack des Publikums allzusehr Rechnung getragen. Im „Kladderadatsch" finden wirschlagende politische Karikaturen von L. Stutz, die in ihrer grossen Einfachheit immer gut sindund mehr die politische Karikatur alten Stils mit vornehmem Konservatismus vertreten, fernertreffliche Arbeiten von G. Brandt, der (wie Gulbransson) eine sehr originelle Galerie berühmter