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DIE KUNST UNSERER ZEIT
Arbeit. Bei ihm wie bei Bruno Paul spielt die geistreiche dekorative Verwendung der Färbein der Illustration eine grosse Rolle, auch zur Verstärkung des karikaturistischen Momentes. Esist unglaublich, was diese Künstler mit einer oder zwei Farbplatten an Wirkung zu erreichenwissen! Eine Menge von Witz wird nur auf koloristischem Wege gegeben, jede Zeichnung inihrer Bedeutung stark gehoben, jede leere Stelle verdeckt. Seinem Wesen nach nützt Heine dieseErrungenschaft mehr nach der Seite des Grotesken hin aus, Bruno Paul, einer der genialstenjüngeren deutschen Zierkünstler, verfolgt das Prinzip, jeder, auch der tollsten Witzillustration durchFarbe und geschmackvolle Fleckverteilung einen dekorativen Wert zu verleihen. Man könnte ausjedem Blatt, das er zeichnet, ein buntes Glasfenster, eine Tapete oder eine Intarsienarbeit machen.Bruno Pauls fester, breiter Strich im Schwarzweiss, das starke Temperament, das er in derkarikaturistischen Auffassung verrät, gibt diesen eigenartigen Kunstwerken die nötige formale Grund-lage. Bruno Paul ist zu seinem Stil ursprünglich als Ateliergenosse Rudolf Wilkes gekommen,die beiden hatten sich — damals arbeiteten sie noch für die „Jugend" — wechselseitig starkbeeinflusst und zeigten merkliche Verwandtschaft. Nach und nach bildete sich aber bei BrunoPaul der erwähnte dekorative Stil aus, während Wilke, der in der Karikatur wohl der stärkere ist,immer mehr Graphiker blieb. Wo Paul eine Form mit markiger Kontur umreisst, da freut sichWilke an spielendem, suchendem, geistreichem Strich, er zeichnet die Erscheinung, wie er sie,
vom Medium der Luft umflossen,vor sich sieht, während Paul siein die Sprache seines Stils über-setzt. Wilke steht näher an derWirklichkeit und manches, wasbei ihm als starke Karikaturwirkt, ist in Wahrheit nur eindrastischer Realismus. Dafür istPaul immer klarer, an Form wiean Gehalt, sein Talent hält eingesunder, mannhafter Wille ge-bändigt im Zügel.
Sehr hoch darf man Edu-ard Thöny einschätzen. Daswirkliche Leben schaut kaumeiner mit schärferen und klügerenAugen an als er. Damit reichter an Oberländer heran, der auchseine humorvollsten Schöpfungendirekt aus der Wirklichkeit, nicht
Wilhelm Schulz. Der Bauer
(Aus dem „simpiicis s imus\ München) aus burlesker Erfindung hat.
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