DIE KUNST UNSERER ZEIT
keine Konkurrenz wagen, sich aufzutun, neuen Leuten Brot zu bieten und neuekünstlerische Möglichkeiten zu erschliessen.
Da erfolgte der Aufschwung der Zinkographie. Das alte Verfahren,Zeichnungen auf Zinkplatten zu übertragen, wurde durch die Zuhilfenahmeder Photographie verbessert, die Erfindung der Netzätzungen, welche dieWiedergabe fein differenzierter Töne gestattete, kam dazu. Erst galt diesneue Verfahren freilichnicht für voll, der Holz-
schnitt für viel nobler.Allmählich aber erkanntendie Künstler den Vorteil,
welchen eine absolutgetreue Wiedergabe desOriginals vor der Über-tragung in den Holz-schnittstil und der Über-setzung in die Anschau-ungsweise des Xylo-graphien voraus habe; dieSchnelligkeit, Billigkeitund grössere Kraft jenerTechnik sicherten ihr aufallen möglichen Gebietenweite Verbreitung, undbald wurde das anfäng-licheVorurteil überwunden
und die Zinkographie reinkünstlerischen Zwecken,
der Illustration,dienstbar gemacht. Heuteist der reproduktive Holz-schnitt wirklich nur mehrein interessantes Fossil.Die „Fliegenden Blätter"pflegen ihn in schönerPietät neben der Zink-ätzung und längst nichtmehr als Haupttechnik,und eine Reihe andererillustrierter Zeitschriften,die inzwischen entstandensind, arbeitet ausschliess-lich mit den photo-mechanischen Verfahren. Diese wurden in den letzten sechsbis acht Jahren so sehr vervollkommnet,u dass ihnen heute die Bewältigung keinerSchwarzweisszeichnung mehr Schwierig-keiten macht, aber andererseits habenauch die Künstler nicht stillgestanden,sondern eine Reihe von Zeichentechnikensich zurechtgelegt, welche den photo-mechanischen Verfahren entgegenkommen.Auch die Industrie, z. B. die Papier-
Aus „Wilhelm Busch, Humoristischer Hausschatz''(Fr. Bassermannsche Verlagshandlung in München)