DIE KUNST UNSERER ZEIT
K\'M galt beinahe für eine ArtNegligekunst, die sich nichtvor den Augen S. M. des
-^ könnte. Es gab, als LudwigRichter tot war, auf demGebiet der Schwarzweiss-kunst in Deutschland
eigentlich nur mehr eine bedeutende Gruppe von Künstlern, >^
die der „Fliegenden Blätter". Hier war ein Stamm,
der die besten Errungenschaften von früher herüberrettete
in die neue Ära. Die beiden
grössten deutschen Humo-risten der Gegenwart,
Wilhelm Busch und Adolf
Oberländer, gehörten diesem
Kreise an. Die lebhafte Teil-nahme, die alle gebildeten
Kreise und auch das weniger
urteilsfähige Volk für jedeNeuerscheinung, jeden
Wechsel der Ausdrucks-mittel in den Zeichnungen
der „Fliegenden Blätter"
bekundete, bewies, dass für
die Kunst in Schwarzweiss
noch fruchtbare Gebiete zu
bebauen waren. Und doch
rückte die Sache lange
nicht vorwärts, blieb
einzig auf die Zeichner
jenes Blattes gestellt.
Der Grund lag nicht
in dem Mangel an
Kräften, sondern nurin der mangelnden
Gelegenheit zur Betä-
Aus „Wilhelm Busch, Humoristischer Hausschatz"tlgUng SOlCner Kratte. (p r . Bassermannsche Verlagshandlung in München)
Und diese Gelegenheit fehltein allererster Linie, ja viel-leicht ausschliesslich ausGründen der Technik. DieSchwarzweisskunst kann nurdurch die Reproduktionleben! An Reproduktions-verfahren aber kannte mannur den Holzschnitt. Die
Lithographie war unsDeutschen ja fast ganz ver-loren gegangen und dieHolzschneider, die im ständewaren, ohne allzugrosse Ver-ballhornungen des Originalsein Faksimile herzustellen,waren dünn gesät. DasVerfahren war zudemkostspielig und die be-rechtigte Abneigungder Künstler war gross.So war ein Verlag, derallein über ein Heerleistungsfähiger Xylo-graphien verfügte, auchallen anderen weit über-legen, und es konnte