351in der Kirche war an einer bestimmten Stelle. Die Kirche be-saß damals zwei Monstranze, eine kleine und eine große. Wurdemit der kleinen Monstranz der Segen ertheilt, so entferntensich die Clubisten sofort. Mit der Ortsbehörde kamen sie mehr-fach in Conflict, weil sie ihre Kinder nicht zur Schule schickten,sie lehrten nämlich selbst ihre Kinder lesen, schreiben und rechnenund wollten durch keinen Schulzwang gebunden seinMan erzählt auch, daß die Clubisten bei ihrem Ober-haupte zur Beichte gingen. Ein Mädchen wurde gefragt, obihr in der Beichte auch eine schwere Buße auferlegt wordensei, worauf sie zur Antwort gab, sie habe drei Tage lang imKeller sitzen müssen.Die neugeborenen Kinder wurden nicht getauft, da derPastor sich dessen weigerte. Heirathen war der Secte ver-boten, weshalb Ehen nicht geschlossen wurden. Wenn Jemandstarb, so wurde er nicht auf geweihtem Boden des Friedhofesbestattet. Als einst ein Todesfall eintrat, lag die Leiche längerals gewöhnlich, ohne beerdigt zu werden, bis sie endlich aufdem Friedhof in der Mitte auf dem Kreuzwege begrabenwurde. Eine andere Leiche erhielt ihr Begräbniß außerhalbder Mauer.Der damalige Pastor Grein gab sich alle Mühe, durchBelehrungen auf der Kanzel die Verirrten zurückzuführen undes gelang ihm dies vollständig. Der härteste Stoß jedochwurde der Secte durch die heirathslustigen jungen Söhne undTöchter versetzt. In einem Hause (in der Ackerhütte) wohntenmehrere kräftige heirathsfähige Mädchen, die dem „Club“ angehörten. Eine derselben nahm Pastor Grein als Magd insein Haus auf; sie wurde in kurzer Zeit von ihrem Irrthumbekehrt und schritt bald nachher zur Heirath. Ihrem Bei-spiele folgten mehrere junge Leute und von dieser Zeit andatiert das allmälige Erlöschen der Secte. Pastor Grein hattedie Genugthuung, die letzten Anhänger des „Clubs“ zurückzu-führen; dieselben gingen in der Fastenzeit im Jahre 1837 ge-meinschaftlich zur h. Communion und schworen ihrem Irrthum ab.Nachdem Adolph Kresken gestorben war, wurden alleBücher desselben aus seiner Wohnung hervorgeholt und auföffentlicher Straße verbrannt, wie uns ein Augenzeuge mittheilte.Der Tod des Kresken erfolgte in den 40er Jahren, mithinhat die Secte ca. 30 Jahre lang bestanden.
Druckschrift
Geschichte der Herrlichkeit Neersen und Anrath : mit besonderer Berücksichtigung des alten Pfarrbezirks Anrath mit den Dörfern und Ortschaften Neersen, Schiefbahn, Kehn und Clörath sowie des Schlosses und der Herren von Neersen
Seite
351
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten