328eine bis dahin nicht erstiegene Stufe erreicht. Der früher imBruche gesammelte Dünger reichte bei weitem nicht hin, demAcker den nöthigen Ersatz zuzuführen. Zwar wurde Mergelschon vor dreihundert Jahren auf den hiesigen Feldern ange-wendet, wie aus einer Urkunde vom Jahre 1551 hervorgehtallein derselbe mußte jedenfalls aus der Jülicher Gegend perAchse herbeigeschafft werden, was für die damalige Zeit schonein Unternehmen war. Nach und nach konnte mehr Klee an-gebaut werden. Der früher vorherrschende Sauerampfer, derganze Felder roth färbte, wurde allmälig verdrängt. Auchdurch die Anlegung von Branntwein=Brennereien, die für denViehstand einen bedeutenden Futterwerth abwarfen, wurde demAufblühen des Ackerbaues Vorschub geleistet. Schon im Jahre1744 treffen wir in Schiefbahn in der „Edmunds Behausungauf den Kirchhof anschießend, einen „Stochkessel“. Seit denletzten Decennien wird auch der Hopfenbau mit Erfolg be-trieben.Die Mühlenfrage ist in Schiefbahn oft zur Erörterung,jedoch nie zum Austrag gekommen. Jahrhunderte hindurchhaben sich die Gladbacher mit den Neersener Müllern auchwegen des „Gemahls“ zu Schiefbahn gezankt. Wie aus demobenerwähnten Artikel (Niederrhein 1879 Nr. 14 und 15)hervorgeht, wurde bald von dieser, bald von jener Seite einVerbot erlassen, wonach die Müller den Mühlenkarren zuSchiefbahn nicht fahren sollten. Ein Mahlzwang bestand hiernicht, weil keine kurfürstliche Mühle vorhanden war.Bezüglich der Gemeindeverwaltung durch Vorsteher, sowieüber Einnahmen und Ausgaben liegen uns Notizen aus demvorigen Jahrhundert vor. Nach einem Verzeichniß*) unter derAufschrift: „Vom Jahr 1753 der Gemeinde Schiefbahn be-schehene Anzeig, was jedes hauß, hoff wegen im Gebrauchhabender erbschafft in den Erbschatz=schützengeld und Deutze-Zehnde abführen und bezahlen muß“, hatte Schiefbahn imgenannten Jahre am Unterbruch und auswärts 58, zu Hag-winkel 28 und im Flecken 82, also zusammen 168 Haus-haltungen, welche die erwähnten Abgaben mit 226 Rthlrn. 23Stüber 12½ Heller zu entrichten hatten. „Aus einvermelterEmpfang wird jährlichß an die Kellnerei zu Litdtberg abge-*) Mitgetheilt von Herrn Joseph Franßen zu Schiefbahn.
Druckschrift
Geschichte der Herrlichkeit Neersen und Anrath : mit besonderer Berücksichtigung des alten Pfarrbezirks Anrath mit den Dörfern und Ortschaften Neersen, Schiefbahn, Kehn und Clörath sowie des Schlosses und der Herren von Neersen
Seite
328
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten