324Die jetzige Gemeinde Schiefbahn gehört zum KreiseM.=Gladbach. Die Pfarrei ist dem Dekanate Gladbach zuge-theilt. Begrenzt werden Gemeinde und Pfarre nördlich vorWillich, östlich und südöstlich von Kaarst und Büttgen, südlichvon Kleinenbroich, südwestlich von Neersen und nordwestlichvon Anrath.Die Hauptbeschäftigung der Einwohner war außer Ackerbauvorzüglich Viehzucht, wozu die großen Brücher, wovon Schief-bahn rings umgeben war, die beste Gelegenheit darboten.Daß die ersten Ansiedler die Viehzucht als ihren Haupt-Er-werbszweig erkannten, ersehen wie daraus, daß die ältestenHöfe alle in unmittelbarer Nähe von Brüchern angelegt sind,wenn auch die Wohnplätze auf Erhöhungen liegen.Die Berechtigung zur Viehtrift, die sich bei Schiefbahnund den nächstgelegenen Ortschaften bis zum Anfang diesesJahrhunderts erhalten hatte, ist uralt und datirt aus derZeit der Bildung der Markgenossenschaften. Da noch keinebestimmten Grenzen gezogen waren, so benutzten die Anschießendendie Brücher gemeinschaftlich. Daß bei solchen Verhältnissenmanche Gemeinde sich Uebergriffe zu Schulden kommen ließ,manche sich übervortheilt glaubte, ist begreiflich, und so sehenwir schon in älterer Zeit Grenzstreitigkeiten entstehen, welchesich von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzten, oft kostspieligeProzesse verursachten, die manchmal nach langjährigem Schwebendennoch unentschieden blieben,Eines der Brücher, woran Schiefbahn Antheil hatte, wardas südwestlich gelegene Niersbruch, welches nach alten An-gaben ca. 2000 Morgen groß war. In dieses Bruch führtevon Schiefbahn aus die Fuhrt durch den Trietbach am Eschert,wo auch die Herrschaft Millendonk ihren Grenzpfahl beanspruchte,da an dem „Escheit an dem Büttger Walde eine große weydegestanden, genant gen pael, welche platz scheidt dreyer herrenLand, nemblich das Ertzstift Cöllen, das Land von Gladbachund die herrlichkeit von Mylendonk.**)Die Streitigkeiten, welche wegen der Benutzung diesesBruches zwischen der Abtei Gladbach einerseits und Neersenund Anrath andererseits geführt wurden, dauerten drei Jahr-hunderte hindurch, nämlich von 1500 an bis zu Anfang*) Niederrhein 1879. S. 57.
Druckschrift
Geschichte der Herrlichkeit Neersen und Anrath : mit besonderer Berücksichtigung des alten Pfarrbezirks Anrath mit den Dörfern und Ortschaften Neersen, Schiefbahn, Kehn und Clörath sowie des Schlosses und der Herren von Neersen
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