145Bemerkenswerth sind die im nördlichen Schiff befindlichensog. gekuppelten Säulen. An zwei Stellen stehen deren dreizusammen. Die Kapitäle sind ohne alle Verzierung. Dieöstlich stehenden drei Säulchen sind circa 5½ Fuß hoch undhalten 30—31 Centimeter im Durchmesser; die mehr westlichstehenden haben eine Höhe von 6¼ Fuß und einen Durch-messer von 28 Centimeter. An beiden Stellen werden dieSäulchen getragen von einer etwa 3 Fuß hohen steinernenUnterlage. Diese gekuppelten Säulen, wie sie im 11. und12. Jahrhundert mehrfach angewendet wurden, rühren wahr-scheinlich von einem ältern Kirchengebäude her und scheinenbeim Neubau des nördlichen Schiffes zur Stütze des Gewöl-bes benutzt worden zu sein. Es besteht hier eine Sage, nachwelcher derjenige Theil der Kirche, wo die fraglichen Säul-chen stehen, die ursprüngliche Kapelle gewesen sein soll. Dieswird jedoch so zu verstehen sein, daß an dieser Stelle dieerste Kapelle gestanden hat; denn das hier stehende Seiten-schiff weiset nach Baustyl und Material auf das 16. Jahr-hundert hin. Wurde jene Kapelle auf einem heidnischenBegräbnißplatze oder einer Cultusstätte unserer heidnischenVorfahren errichtet? — Nachklänge des Heidenthums findenwir noch im Jahre 1381 in dem Gebrauche, die Verbrecherunter die Linde zu führen, welche hinter der Kirche stand.War hier aber ein alter Begräbnißplatz, so erklärt es sichleicht, weshalb im südlichen Schiff der Kirche bis zu unsermJahrhundert eine ca. 4 Fuß emporragende, mit Gebeinenangefüllte Erhöhung sich befand, welche zwischen dem Thürmund der Außenmauer die ganze Fläche bis zum westlichenGiebel einnahm. Wurden die Gebeine, um sie nicht zu pro-faniren, auf dem frühern Begräbnißplatz gesammelt, undbeim Bau der Kirche unter jener Anhöhe aufbewahrt? Wurdendann später die Gebeine der christlichen Verstorbenen hinzu-gefügt? Der nicht unbedeutende Umfang jener Erhöhungliefert den Beweis, daß schon früh diese Gegend stark bevölkertwar.Auch der Kirchenpatron kommt in Betracht, wenn es sich*) Auf dem „Beinhaus“ stand 1595 der St. Nicolai=Altar. Esheißt von demselben: „It. vf tag Johannis Entheufftung vff demBeinhuß pur Affergeld xxxxiij (421e) Alb.“
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Geschichte der Herrlichkeit Neersen und Anrath : mit besonderer Berücksichtigung des alten Pfarrbezirks Anrath mit den Dörfern und Ortschaften Neersen, Schiefbahn, Kehn und Clörath sowie des Schlosses und der Herren von Neersen
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