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Geschichte der Herrlichkeit Neersen und Anrath : mit besonderer Berücksichtigung des alten Pfarrbezirks Anrath mit den Dörfern und Ortschaften Neersen, Schiefbahn, Kehn und Clörath sowie des Schlosses und der Herren von Neersen
Entstehung
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29Gegen das Ende des fünften Jahrhunderts n. Chr. gelanges durch List und Gewaltthaten Chlodewig (481—511) demKönige eines fränkischen Stammes, sämmtliche Stämme derFranken zu einem mächtigen Reiche zu vereinigen. SeineNachkommen, die Merowinger, wurden durch Pipin dem Kleinen,dem Sohne Karl Martell's vom Throne verdrängt, (752)und die Dynastie der Karolinger gegründet. Unter PipinsSohn, Kaiser Karl dem Großen (768—814) erreichte dasFrankenreich den höchsten Punkt seiner Macht, um bald darauf(843) in drei Reiche zu zerfallen. Das große fränkischeReich war in Gaue getheilt, die durch vom Könige ernannteGaugrafen verwaltet wurden. So finden wir in den unternGegenden des Rheines einen Kölner, Deutzer, Jülicher, Attu-arier, Mühlgau u. s. w.Diese Eintheilung bestand auch nach der Trennung(843) noch bis ins elfte Jahrhundert; in diesem und nochmehr im folgenden jedoch zerfiel die alte Reichsverfassungdie mächtigsten Dynastengeschlechter so wie die höhere Geist-lichkeit hatten sich nach und nach zu unabhängigen, respectiveerblichen Herren gemacht. Die Gaue wurden zersplittert, dieauf den alten kaiserlichen Frohn= oder Salhöfen sitzendenDienstmannen nahmen ihre Besitzungen von den Dynasten zuLehen. Andere, dem Geiste der Zeit folgend, stifteten Klösterund Abteien und beschenkten sie mit Land und Leuten. VieleLehnsmänner wurden im Laufe der Zeit mächtige Herren,die dem schwächer werdenden Dynastengeschlecht den Gehorsamaufkündigten, so daß bis zum Ende des vorigen Jahrhundertsdas deutsche Reich in eine Unzahl kleinerer Fürstenthümergeistlicher und weltlicher Herrschaften zerfallen war. Hieram Rhein blühten ganz besonders die geistlichen Herrschaften,Klöster, Stifter, Abteien und Comthureien, so daß der Schwe-denkönig Gustav Adolf den Rhein mit dem Namen „diePfaffengasse“ bezeichnete.Auch unsere nächste Umgebung war mit kleinen Terri-torien gut versehen. Ein Neersener Amtsverwalter klagt1760 darüber, daß in diesen Gegenden die verschiedenen Ge-biete „kruß und toll durcheinander liegen, hier ein Erb soliedtbergisch, dort eins so oedisch, gleich daneben eins soNersisch, wiederumb ein anderes so jülisch oder Kempischgelegen, anzutreffen sein, also einer oder ander territory or-