Es ift unzweifelhaft, daß der Älkorjol und die Gefchlechtskrankbeitenmit die Fjauptfcbuld an dem fcblechten 3 u ftand der ftädtifdjen Bevölkerungtragen. Unzweifelhaft ift aber auch, daß wir uns von diefen Uebeln nichtbefreien können, wenn es uns nid)t gelingt, gefündere und menfdhenwürdigerettlormungsverbältniffe zu fdbaffenl und dies gilt für alle Stände! Ulkmuffen der Familie wieder einen feften Fjeimatßlj bereiten, wo pe gefiebertund bebaglicb nach ibrem eigenen Sinn häufen, in üjrer Gefondertheit undEigenart pch entwickeln und ausleben kann; wir muffen uns mehr Lebens-raum pcbern, nicht allein innerhalb, fondern auch außerhalb unferer (Uohnung;denn unfer b GU tiges Mietskafernenfyftem bedeutet die Verengerung desäußeren Lebensraumes neben der Verengerung des ttlobnraumes in einemUmfange, der zur Verkümmerung führen muß. (Xlir muffen wieder fefterenÄnfcbluß an die beimatlkhe Natur, an den beimatlichen Boden fudhen.
Vor allem aber muffen die breiten Maffen des Kleinbürger- undÄrbeiterftandes, deren leibliche und geiftige Gefundbeit die unentbehrlicheGrundlage des Staatswobls find, menfcfjenwürdige (Xlohnungen erbalten!Es ift undenkbar, daß üjre tUobnungsverbältniffe fo wie bisher weiterbefteljen dürfen!
Mit Mitteldhen freilich ift da nid)ts anzufangen. Gegenüber der(Uobnungsnot in den febon begebenden Großffädten muffen wir uns zunächftfreilich mit Palliativmitteln bebelfen, fo gut es gebt. Radikale ßilfe kannibnen erft fpäter und auf Umwegen gebracht werden.
Dagegen könnte verbindert werden, daß derartige Mißbildungen, wieunfere Großfrädte, neu entfteben; könnte verbindert werden, daß der 3uftromzu den begebenden Städten im bisberigen Maßftabe andauert. Dezen-tralifation im Sinne der Gartenftadtbewegung muß unfere Lofung werden!
CUenn es mit der (Ilobnreform endlich vorwärts geben foll, dann mußder Nation an Beifpielen gezeigt werden, wie pe wobnen könnte, wenn pedie eigene Gleichgültigkeit gegen ibre CUobnverhältniffe überwände, undwenn pe nicht durch fchlecbte Gefetje und Bodenwucher gebindert wäre.Darum follten alle, die begriffen haben, daß die Ulo\)ti- und Siedlungsfragegeradezu die Frage der 3 u kunft unferes Volkes ip, die Beprebungen derDeutfchen Gartenpadtgefellfchaft aufs nachdrücklichpe fördern.
Kultur und Gartenftadt.
Von Hans Thoma, Karlsruhe.
Die (Uobnungsfrage ip eine der wiebtigpen Fragen, die im Raushaltedes Menfchenvolkes zu beantworten und für die in einem guten ßaus-balt zu forgen ift. Unfere beutigen (Ilobnungsverbältniffe — zumal inden Großpädten — fdhädigen das Volkswohl in gefundbeitlkher, körperlicherwie pttlictjer ßinpcht auf fchwerpe. Das reiche Gewebe, das Natur undSitte für das Menphengephlecht weben und auf dem allein eine Kultur pchaufbauen kann, muß da, wo die Möglichkeit menfehenwürdigen Dafeinsnicht gegeben ip, zerfe^t werden.
In unfere traurigen, verworrenen und fo wichtigen (UohnungsverbältniffeOrdnung bineinbringen, wie es die Gartenpadtbewegung will, ip eine bohe
7 Die deutfdje Garten(ladtbewegung.
97