wirtfcbaftlicben Lebens, fo darf es nicht felbft eine Kaferne fein. Soll esden Menfd>en im Arbeiter entwickeln und ftärken, fo darf es irjn nicht wieder,wie die Fabrik es tut, als Atom unter ungezählten anderen Atomenverfchwinden laffen, fo darf es ihm nicht fcbon durch feine Anlage jedeMöglichkeit zum Aufbau einer kräftigen, eigenen Persönlichkeit rauben.Es muß ihm und feinen Kindern Raum zu freier, ungehinderter Bewegungund Betätigung gewähren, es muß der Familie, und dem Einzelnen in derFamilie, die Möglichkeit zur „privacy" geben, die der Engländer als ein fohohes Gut fctjätjt, und für die uns in der deutfcben Sprache fogar einadäquater Busdruck fehlt. Erreicht kann diefes Ideal nur in demEinfamilienhaufe mit eigenem, ausreichendem ßof und Garten werden; dochnähert man (ich wenigjtens in gleichem Maße, wie die Größe der ßäuferabnimmt und die 3 ar i> der in ihnen häufenden Familien geringer wird, denForderungen des Ideals. Auf das Ein- oder höcbftens 3weifamiiienhausdrängen aber auch die finanziellen Momente hin- Das große F>aus zeigtfich nirgends abfcfjreckender als da, wo es das ßaufungsbedürfnis derarbeitenden Klaffen befriedigen foll. Es ift kein 3weifel, daß fich vielebugienifche und andere, aus dem 3ufammendrängen vieler Familienentftebende Nachteile und Schädlichkeiten tecbnifch überwinden laffen, aberihre Überwindung ift koftfpielig und wird daher nur den Klaffen zugutekommen, die es bezahlen können. Auch in dem großen ßausbau vermagdie LÜohnungstecbnik den bebenden Klaffen einen annähernden Erfalj fürdas Einfamilienhaus zu gewähren. Bei den kleinen ttlobnungen derÄrbeiterklaffe ift das unmöglich, ohne ihre Fjerftellungskoften fo zu verteuern,daß pe unerfchwinglicb werden. Es bleibt alfo für die Praxis nur dasEin- oder 3weifamilienhaus für den Arbeiter übrig. Deren Anlage erfordertaber billigen Boden, befondere Änbauvorfchriften, kurz, ein ganz neuesSyftem der Siedelung, wie es die Gartenftadtbewegung anftrebt.
So können wir denn auch die leicht begreifliche Catfacbe feftftellen,daß die Ärbeiterfcbaft in ihren beftbezahlten und geijtig am böcbften flehendenTeilen überall die Entwicklung von Gartenftädten nicht nur mit dem größtenIntereffe verfolgt, fondern auch tatkräftig unterftü^t. Sie begreift täglichmehr, daß dem ungeheuren tüobnungselend, unter dem (le zu leiden hat, nurdurch eine radikale Umgeftaltung unferer Siedelungsverhältniffe abgeholfenwerden kann, und das der Cüeg aus der Mietskaferne in beffere cUobnungs-verhältniffe zur Gartenftadt führt. Es kommt alfo der Gartenftadtbewegung,mag man jle nun in dem früheren, engeren Sinne der englifd)en Verfechter,oder in dem weiteren ihrer deutfcben Anhänger auffaffen, die großeBedeutung zu, auf dem Gebiete des Ärbeiterwobnungswefens durch ihrepraktifcbe Gründungsarbeit gezeigt zu haben, daß in der Cat durch pe dieIdeale verwirklicht werden können, von deren Realifierung die Ärbeiterfcbaftdie Gefundung ihrer mohnungsverhältniffe erwartet. 3 u 9'eich erfüllt fiedamit die andere, nicht minder wichtige Aufgabe, als Pionier den Gemeinden,die dod) legten Endes die Cräger der ttlobnungspolitik fein muffen, dieneuen Bahnen zu weifen, in denen Jle fich bei ihrer eigenen konduktivenTätigkeit zu bewegen haben werden.
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