Die deut]*d)e Gartenftadtbewegung.
Die gewaltige Entwicklung der üecbnik im legten Jahrhundert hatteeine völlige Umgeftaltung des wirtfcbaftlicben Lebens und eine neueVerteilung der Bevölkerung über das Land zur Folge. Die indu-ftrielle Entwicklung Deutfcblands kam in erfter Linie den Städten zugute.Unbedeutende Orte wurden zu induftriellen 3entren. Die 3 a bl der großenStädte von mebr als 100000 Einwohnern wuchs von 5 im Jahre 1851 auf48 im Jahre 1910.
Diefe oft überbaftete Entwicklung der Städte fiel in eine 3eit, in derman glaubte, alles dem freien Spiel der Kräfte überlaffen zu können. So kames, daß nicht die planvolle Fürforge der zur ttlabrung der öffentlichen Inter-effen berufenen ftädtifcben und ftaatlicben Behörden den neu entftandenenStädten und Stadtteilen das Gepräge gab, fondern das kurzficbtige Erwerbs-intereffe der Bauunternehmer und Spekulanten. Der Bodenpreis wurde zueiner F)öbe hinaufgetrieben, die das (Höhnen ungebührlich verteuert und dievon den Vertretern der Fjygiene geforderte weiträumige Bauweife in denmeiften Städten erfcbwert oder ganz ausfcbließt. Immer weitere Bevölkerungs-fcbicbten werden in Mietskafernen zufammengepfercbt. Die in den Städtenvorhandenen Gärten werden verdrängt und die Bewohner immer mehr vonder Natur losgelöft.
Gegen diefe Mißftände wandte (ich fcbon in den fünfziger Jahren diein Form von Baugenoffenfcbaften organisierte Selbftbilfe. Größere Fort-fcbritte machte diefe Bewegung erft, feitdem das Genoffenfcbaftsgefelj vomJahre 1889 die Bildung von Genoffenfcbaften mit befchränkter Fjaftung er-möglichte und die Landesverficberungsanftalten ihre reichen Mittel für denBau von Ärbeiterbäufern zur Verfügung ftellten. Im allgemeinen wurdendie Baugenoffenfcbaften zu dem ausgefprocbenen 3wecke gegründet, einemzeitweilig befonders ftark empfundenen Hlohnungsmangel durch den Bauneuer tüobnungen abzuhelfen. Man baute hier und da in der Stadt mehrereFjäufer, wie gerade das Bedürfnis gegeben febien und ein geeigneter Bau-plan zur Verfügung ftand. Die parke Abwärtsbewegung der ftädtifcbenBodenpreife zwang pe dabei mehr und mehr, der allgemeinen Entwickelungfolgend, durch vielgefcboffige Bauten den Boden inten)lv auszunütjen. Es gelangdadurch zwar, die vorhandenen Mängel zu mildern, aber man beachtetenicht, daß diefe Mängel doch nur die Folgeerfcbeinungen eines grundfäfelicbverfehlten Syftems der ttlobnungserftellung und Stadterweiterung bilden.Die Baugenoffenfcbaften haben zwar für kaufende Mitglieder durch beffereGrundrißgeftaltung und beffere teebnifche und künftlerifche Durchbildung derRäume fo gute ttlobnungen gefebaffen, als das auf dem verteuerten ftädti-fdjen Boden möglich war, und haben dadurch auch auf die private Bau-
1 Die deutfd)e Garten|tadtbewegung.