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Versailles vor Ludwig XIV.
12. KAP.
Schon seit dem Jahre 1624 hatte sich Ludwig XIII. , dessen einzige Leidenschaft dieJjigd war, ein kleines Jagdschloß in dem weiten, sumpfigen Jagdgrunde von Versail-les 7 erbaut. Er hatte schon als sechsjähriger Knabe liier zum ersten Male gejagt undwar später mit wachsender Vorliebe nach Versailles gegangen. Das Schlößchen war einanmutiger Ziegelrohbau, umschloß mit vier Eckpavillons einen Hof und war ringsumvon einem breiten Graben umgeben. Den Garten, ganz im Stil des ersten Drittels desXVII. Jahrhunderts, legte Jacques Boyceau an, der bis zu seinem Tode Intendantdieser Gärten war. Er hat in seinem Werke zwei Zeichnungen von Parterres aus Ver-sailles 8 hinterlassen, das eine ein Parterre de broderie, dicht vor der Gartenfront desSchlosses gelegen, ein anderes ein Parterre de pelouse, mit größeren Rasenstreifen,das, da es „aus dem Park von Versailles" bezeichnet ist, wohl weiter abgelegensein wird. Nichts spricht dafür, daß der Garten schon unter Louis XIII. eine größereAusdehnung oder gar, wie manchmal angenommen, die Hauptlinien der späterenAnlage erhalten habe 9 ; auch der Plan von 1652, den Gomboust von Paris und Um-gegend zeichnete 10 , zeigt Versailles mit wenigen Parterres und einem endlosen Jagd-park umgeben. Auch Ludwig XIV. scheint von Anfang seines Vaters Vorliebe fürVersailles geteilt zu haben, die einzig und allein auf der Jagd beruhte, denn seit aucher als zwölfjähriger Knabe dort seine erste Jagd abgehalten hatte, gewann er das kleineeinfache, hübsche Schlößchen so lieb, daß er sich nur langsam zu einem Neubau ent-schließen mochte und sich nie dazu verstehen konnte, es niederzureißen, sondern denBaumeistern die harte Aufgabe stellte, um diesen alten Kern immer wachsende undwachsende Schalen zu legen. So regte ihn auch in Vaux-le-Vicomte zuerst nicht dieSchönheit des Schlosses, sondern der Garten zum Wetteifer an.
Unmittelbar nach Fouquets Sturz, in den Jahren 1662/63, müssen die Hauptlinien desGartens von Versailles entworfen sein (Abb. 396). Wir haben uns heute daran gewöhnt,den ungeheueren Bau des Schlosses, das eine Gartenfront von 415 m zeigt, mit den gewal-tigen Linien des Gartens in Einklang zu bringen und eines durch das andere zu begreifen.Als aber der Monarch Le Nötre vor die Aufgabe stellte, einen Königsgarten zu entwarfen,wie die Welt bisher noch keinen gesehen, fand dieser nur das kleine Jagdschlößchen, dassein königlicher Herr sehr liebte, und wenn er in den ersten sechs Jahren, ehe Ludwigsich entschloß, den ersten Erweiterungsbau durchLeVau vorzunehmen, doch denGarten inseinen grandiosen Dimensionen und Hauptlinien durchführte, so will es uns bedünken, alshabe er visionär schon die gewaltige Größe des Schlosses geschaut, um es zu wagen, mitdiesem mächtig gespannten, großzügigen Plan das kleine grabenumflossene Schlößchen zuumgeben. Freilich, Ludwig kam ihm mit seinen Wünschen und Forderungen zu Hilfe. Erkam häufig heraus nach Versailles, das Schlößchen selbst wurde im Innern prächtigumgestaltet. Hier war Le Brun ganz an seinem Platze, seine Phantasie in der Dekora-tion war unerschöpflich. Schon Fouquet hatte in Vaux eine Gobelinfabrik gegründet,der Le Brun vorstand und wo er seine Entwürfe ausführen ließ. Auch dies hatte ihm derKönig nachgemacht oder vielmehr die Fabrik nach Versailles übertragen. Aber wenn auchdie Räume immer kunstvoller ausgestattet wurden, so wollte sich doch das Jagd-schlößchen innerhalb seines Grabens nicht dehnen, und Ludwig plante Feste in Stil undAusdehnung, die jene am spanischen Hof übertreffen sollten. Da mußte der Garten alsSchauplatz leisten, was das Schloß nicht vermochte, und Le Nötre wußte wohl, waser tat, als er von der großen, obersten Terrasse die hufeisenförmigen Wege herabführte
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