16. KAP.
Neukultivierung einheimischer Pflanzen
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eine sehr geringe Verbreitung gefunden hatte, was sich eben aus der Bestimmung diesesGartens, nur ein Receptaculum für die Pflanzen zu sein, erklären läßt, trat jetzt wieder,ebenso wie die Laube oder das Gartenhaus, als ein Hauptmotiv in den Vordergrund.Über diesem leidenschaftlichen Interesse an der Kunst des Gartens und seiner archi-tektonischen Anlage vergaß man aber das botanische durchaus nicht. Im Gegenteil,sie kamen sich beide entgegen, und hier lagen auch die Lockungen, mit denen man die solange widerstrebenden Gärtner und Botaniker in das andere Lager herüberzog. Langeschon hatte sich das Auge an der zwar farbenprächtigen, aber einförmigen und kost-spieligen Anlage der Treibhauspflanzen müde gesehen, der unorganischen Steifheit derTeppichbeete wurde die rhythmische leichte Grazie des neuen Architektengartens ebensoentgegengesetzt, wie dem natürlichen Stile. Nun wandte man sich wieder den lange ausdem Garten verbannten Gruppen von Pflanzen zu, die im heimischen Boden überwin-tern und meistens als mehrjährige Staudengewächse wiederkehren, Pflanzen, wie siesich die Bauerngärten immer erhalten hatten. Die Bauerngärten hatten ja überhauptin ihrer einfachen Gestalt als reine Blumengärten selbstverständlich auch den grad-linigen Grundplan der Beete und Wegführung beibehalten.
Diese winterharten Stauden hatten die Pflanzenzüchter bald aus einfachen ländlichenKindern zu prächtiger Schönheit und Farbenpracht entwickelt. Man konnte sie nun aufdas mannigfachste benutzen: sie schmückten die steingefaßten oder buchsumrahmtenviereckigen Beete mit ihrem bunten Reichtum, und sorgfältig ausgewählt und zu-sammengepflanzt setzte man sie meistens gegen das dunkle Heckengrün, so daß sie inbreiten geraden Beeten ein Blütenmeer vom frühesten Frühjahr bis zum spätestenHerbst entfalteten. Diese Staudenrabatten oder „borders", wie der englische Ausdrucklautet, sind wohl in dem heutigen Blumengarten der ausgesprochenste Zug, und ihrebotanische Entwicklung bewahrte den Garten davor, etwa nur eine geistlose Wieder-holung der alten Formen zu sein. Die Gefahr des ewigen Eklektizismus, mit dem dasXIX. Jahrhundert immer nach Neuem suchte und dann mit Enttäuschung einsehenmußte, daß das Gefundene nur eine Kopie des Alten war, konnte auch dieser neuenBewegung drohen. „In einigen unserer besten englischen Gärten", schildert Rose StandishNichols den modernen Stil, „ist eine Verbindung von klassischen Statuen, Renaissance-brunnen, französischen Perspektiven, holländischem opus topiarium und von Blumender ganzen Welt" 35 .
Und nicht genug mit dieser eklektischen Vielseitigkeit des regelmäßigen Gartens, auchder natürliche Stil suchte um jeden Preis neue Formen für sich zu gewinnen, oder suchtealte Gedanken neu zu gestalten. Mr. Robinson greift auf Gedanken von Addison undRousseau zurück — auch Bacon hatte ja schon ähnliche Phantasien gehabt — wenn ereinen wilden Garten anzupflanzen empfiehlt 36 . Hier werden die Pflanzen, hauptsächlichBlumen und Stauden, so gepflanzt, daß sie sich möglichst in ihrem natürlichen Standort zufinden scheinen, sei es in sumpfigem Terrain, sei es im Felsgarten, auf dem die Alpenfloragezüchtet wird, sei es im Wassergarten, dem Wasserlilien aller Art den lieblichen Anblickgeben. Hierher konnte ihm allerdings der „verruchte Architekt" nicht folgen, dortherrschte allein der Botaniker. Aber, weil eben nur botanische Gärten und große Parkssolchen Gartenteilen eine fachmännisch gebildete Pflege angedeihen lassen können,so wurden diese Anlagen in kleineren Gärten nur zu oft zu einer traurigen Karikatur.Die Grundsätze, die hier in kleinen künstlichen Anpflanzungen versucht werden, über-
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