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Muskau
15. KAP.
Abb. 607
Ziergarten
im Park
zu Muskau
Nach Pückler
Gärten mannigfachster Länder gesehen und studiert hatte/ trotzdem er die italienischenRenaissancegärten fortwährend als vorbildlich im Munde führte, ist die Schöpfung seinerGärten um das Haus ein Unding und voll der bösesten Folgen gewesen. Schon der See,von dem er eine Seite des Schlosses begrenzen läßt, hat keinen Zug von der Größe, diein den Wasserpartien am Neißefluß im Parke überall herrscht. Die andern Seiten des Ge-bäudes aber hat er mit sogenannten Blumengärten umgeben. Zum ersten Male tritt uns hierin Deutschland die Teppichgärtnerei entgegen, Beete, die „malerisch", d. h. ohne Ordnungund Plan auf den Rasen ausgestreut sind, bald als Füllhorn, bald als Stern, bald als Blumen-korb oder Blumenpyramide, die nichts zu tun haben mit der Umgebung und selbst dieBlumen in ihrer Mischung und Zusammendrängung häßlich und kleinlich erscheinenlassen (Abb. 607). Unter dieser traurigen Erfindung der Teppichgärtnerei hat das ganzeXIX. Jahrhundert zu leiden gehabt. Es war zugleich einer der am meisten mißlungenenVersuche des XIX. Jahrhunderts, etwas von der Heiterkeit der alten Parterres herüberzu-retten und die Blumen, die sich mehr und mehr scheu aus der Nähe des Hauses hattenzurückziehen müssen, wieder dem Blick aus dem Fenster nahezubringen — das Resultatist aber nur ein Zeichen der Barbarei des Geschmackes. So steht Fürst Pückler da alsder letzte, der nach einer Seite mit feinem Sinne das Große und Bedeutsame des Land-schaftsgartens lebendig erfaßt hat und doch als der erste das völlige Versagen diesesStiles für den Garten im engeren Sinne, die nächste Umgebung des Hauses, klar beweist.Noch sollte der Landschaftsgarten lange Jahrzehnte eine fast unbedingte Herrschaftausüben, aber es war nach der Seite der Kunst hin eine Herrschaft der Unproduktivität.