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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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14. KAP.

Französischer Gartenstil in England

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IE Mitte des XVIII. Jahrhunderts darf, wenn wir die Ausdeh-nung des französischen Gartenstils in Betracht ziehen, als seinHöhepunkt angesehen werden. Der neue malerische Gartenstilhatte über England hinaus noch wenig Propaganda gemacht.Dafür schien es damals einen Augenblick, als wollte die großeKunst, die Le Nötre auf ihre Höhe geführt hatte, selbst imallerfernsten Osten festen Fuß fassen. Damals gelangten Briefe'von den französischen Missionären aus China nach Frankreich,die erzählten, daß der Kaiser den Jesuitenpater Benoit damit beauftragt habe, einen Teilseines Parkes bei seinem Sommerpalast in Yuen-ming-yuen in französischem Geschmackanzulegen, und Pater Castiglione erbaute damals die ersten europäischen Häuser inder Hauptstadt. Das erste, was Pater Benoit schuf, war eine höchst kunstvolle Kaskade:zwei Wasserpyramiden umschließen ein Hemizyklium, hier soll der Kampf der Fische,Vögel und wilden Tiere im Wasserspiel dargestellt werden. Als ein besonderes Komplimentan die Söhne des Himmels stellte Benoit eine kunstvolle Tagesuhr her: nach chinesischerVorstellung waren die 12 Stunden des Tages durch 12 Tiere repräsentiert, diese Tiere warennun so angeordnet, daß jedes seine Stunde Wasser spie (Abb. 550). Diese Kunst war indem zweiten Pavillon ä l'italien als ein großes Wasserbüffet aufgestellt. Stolz zählendie Berichterstatter diese und ähnliche Anlagen des chinesischen Versailles auf. DerKaiser aber schmückte Gebäude und Gärten mit europäischen Kostbarkeiten aus, diesich damals schon in Menge in seinen Schatzkammern aufgehäuft hatten. Er ließ dieseneuen europäischen Anlagen in Kupfer stechen und sandte sie nach Europa. Mankönnte sie wohl am ehesten mit Versailler Bosketts vergleichen, sie sind ein Zeichender höchst beweglichen Jesuitenphantasie und zeigen ein seltsames Gemisch einesausgelassenen Barocks mit chinesischen Motiven 1 (Abb. 551). Die Chinesen aberstaunten ob der wunderbaren hydraulischen Mechanik, die die fremden Missionäre wieWundermänner erscheinen ließ. Sie lernten zwar überraschend schnell mit diesen Ma-schinen umzugehen, als sie aber die vermeintlichen Wunderkräfte kennen gelernt hatten,verloren sie das Interesse daran. Nach Benoits Tode wurden die Maschinen nicht mehrrepariert, der altgewordene Kaiser kam nur noch selten in diese Parkteile; wurde seinBesuch aber einmal angekündigt, dann stellte man eine große Zahl von Menschenkräftenan, die die Bassins füllen mußten, so daß die Wasser spielen konnten, solange der Kaiservorüberging 2 . Bald hörte man nichts mehr von diesen europäischen Kunststücken, Chinawar auch hierin weiter als je entfernt, sich europäischem Einflüsse zu erschließen.

Weit durchgreifender, gewaltiger wirkten die Berichte der heimgekehrten Reisendenoder die Relationen, die die Missonäre aus dem fernen Osten in ihre Heimat sandten,in Europa. Langsam erst konnte sich im Westen das Verständnis für diese Gartenkunstder Länder des Sonnenaufgangs erschließen, denn zum ersten Male tritt in der Ge-schichte der Gartenkunst hier ein ganz neuer, mit keinem bisher geschilderten ver-gleichbarer Stil auf: der malerische, der bis in die letzten Prinzipien dem architektoni-schen Stile, wie er die Gartenkunst der übrigen Welt beherrscht hat, entgegengesetzt ist.Die erste Nachricht von Chinas Gärten gibt uns der Venezianer Marco Polo in dem Be-richte von seiner Reise, die er als Kaufmann in den Jahren 127293 unternahm. MarcoPolo gelangte damals an den Hof Kublai Khans, des großen Mongolenkaisers 3 . Er sahden schönen Tierpark bei seiner Sommerresidenz bei Schang-Tu, zu dem man nur, wie