Druckschrift 
2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
Seite
312
Einzelbild herunterladen
 

312

Villen an der Vecht

13. KAP.

kann. Alle Augenblicke verändert sich die Aussicht auf einen Garten mit Labyrinthen,dann auf eine in tausendfachen Formen künstlich geschnittene Hecke aus Linden,Ulmen oder Eiben, dann in lange Alleen von Lindenbäumen und Kastanien. Zu-weilen geht ein Kanal zwischen durch, ein andermal trennt eine kleine Wiese zweenGärten, wieder ein anderer Garten hat die angenehmsten, dicht zugezogenen Laubenund bedeckten Gänge. Zuweilen liegt hart am Ufer ein schönes Landhaus aus Back-steinen, ein andermal sind die Gärten mit eisernem Gitterwerk eingefaßt. Man siehtin Gärten und Gänge, die mit Bildsäulen besetzt sind, und an dem Ufer laufen langeBeete mit Blumen hin, unter denen jetzt die Tulpen eine herrliche Einfassungausmachen . . . Sie fallen hauptsächlich deswegen so angenehm ins Auge, weilder schnell vorüberfahrende Reisende, über die Abwechslung und Folge so vieler,die in jedem herrschende Einförmigkeit und ermüdende Regelmäßigkeit nicht be-merken kann" 86 .

Dies setzt der dem malerischen Stile geneigte Reisende vorsichtig hinzu. DerHauptgarten entfaltet sich dann in den größeren Besitzungen hinter dem Hausenach der der Wasserstraße abgewandten Seite in dem uns zur Genüge ausfranzösischen Vorbildern und Lehrbüchern bekannten Geschmack. Die für fran-zösische und deutsche Begriffe jener Zeit kleinen Wohnhäuser sind fast niedurch eine Terrasse erhoben. Nur die alten eigentlichen Schlösser haben ihrenCharakter als Wasserschlösser noch meist bewahrt und besitzen dann durchGräben und Zugbrücken ein gewichtigeres Aussehen als die häufig nur pavillon-artigen Villen der neueren Zeit (Abb. 545). Auch im Garten selbst wird eine

Abb. 545Haus Peters-burg, Holland

Aus

Zegenprahlende

Vecht