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Stellung des holländischen Gartens
13. KAP.
machte aus dem kleinen elenden Dorf, das seine Hütten bisher an das Schloß ge-lehnt, ein regelmäßiges Städtchen, das sich so an das östliche Parterre angliederte,daß zwei der sternförmigen Parkalleen sich in den Hauptstraßen des Städtchensfortsetzten, die dritte war die alte Calle de la Reina; auf der andern Seite tratendie Alleen bis dicht an das Schloß heran. Auch diese Zeitströmung der rationellenBebauungspläne der Städte, auf den Mittelpunkt ihrer Residenzen orientiert, habenwir im Norden kennen gelernt. Und aus dem Norden kam auch dieser Gedankenach Spanien. Der eigentliche Urheber war der Marquis Grimaldi; er war Gesandterim Haag gewesen; und aus Holland stammte diese letzte Ausgestaltung des altenKönigssitzes.
HOLLAND
KEIN zweites Land hat so sehr die Feindseligkeit der Anhänger des neuen male-rischen Stiles zu erdulden gehabt wie Holland. Alles was verzwickt, kleinlich, ab-geschmackt und naturwidrig erschien, wurde im XVIII. und XIX. Jahrhundertals holländischer Garten bezeichnet. Ja, man war mehr und mehr geneigt, alle Fehler desalten Stiles diesem Lande allein in die Schuhe zu schieben. In England, von wo dieseFeindseligkeiten ausgingen, ist diese Stellung wohl lokal bedingt und verständlich. Aberein Blick auf die Entwicklung der Gärten dieses Landes, der uns noch einmal zurückführenmuß zu seiner ersten Blüte, soll die eigentümliche Stellung, die dieses Glied in der Entwick-lungskette der Gartenkunst einnimmt, beleuchten. Verführt durch dieses Feldgeschrei, zudem „The Duch Garden" im England des XVIII. Jahrhunderts geworden war, hat manimmer wieder einen Versuch gemacht, einen besonderen holländischen Stil herauszufin-den. Die bedeutsame Rolle, die der Kanal im ganzen Landschaftsbilde Hollands und daherauch in seinem Garten spielt, hat besonders in neueren Untersuchungen die Ansicht ver-anlaßt, als wäre der holländische Garten ein Hauptfaktor in der Entwicklung des franzö-sischen Kanalgartens geworden 79 . So einleuchtend bei den nahen Beziehungen der bei-den Länder dies auch auf den ersten Blick erscheinen könnte, so hat doch der ganze Laufunserer Darstellung gezeigt, wie dies Verdienst ganz allein in dem organischen Wachs-tum des französischen Gartens selbst liegt. Wenn aber auch Holland — dies hatte schonHirschfeld eingesehen 80 — in der Geschichte der Gartenkunst keine so bedeutsame Stel-lung zukommt, so hat es doch seinen eigenartigen, lokal bedingten Stil entwickelt. Hol-land tritt entsprechend seiner ganzen Kulturentfaltung ziemlich spät in der Gartenkunstauf. Der niederländische Garten, der uns in der Renaissance als ein blühender Zweig derdeutschen Gartenkunst beschäftigte, hatte sich in den südlichen belgischen Provinzenentwickelt. In den reichen Garten entwürfen, die z. B. ein de Vries hinterlassen hat,spielt der Kanal gar keine, ja das Wasser eine geringere Rolle als in manchen anderenGebieten, selbst Deutschlands. Später war Belgien, wie in aller anderen Kultur so auchin der Gartenkunst, zu einem Zweige der französischen Entwicklung geworden. EinGarten wie der, den sich die Herzöge von Enghien (Abb. 539) um die Mitte desXVII. Jahrhunderts anlegten, ist nur zu verstehen, wenn man sich die Hauptmotive,die der große Stil Ludwigs XIV. brachte, noch unorganisch ergriffen und der Renais-sancepraxis verbunden denkt. Noch sind die Einzelgärten mit ihrer Vielheit und Klein-heit nicht unter einem großen, gemeinsamen Plan gemeistert. Der Kanal ist als bedeut-